Es ist nicht leicht, sich an diesem Eröffnungswochenende der Bayreuther Festspiele zur Kunst, sagen wir, durchzufressen. Festakte, Gedenkveranstaltungen, Grußworte, Reden, jüdische Gebete vor der Breker-Büste im Festspielpark, Demonstrationen am Fuß des Grünen Hügels (»Die Meister singen, die Reichen klatschen, die Armen zahlen«) – bald schwirrt einem der Kopf. So viel »Politisches« auf einmal war in Bayreuth noch nie oder jedenfalls: schon lange nicht mehr. Die Wagner-Urenkelinnen Nike und Katharina, einst erzverfeindete Cousinen, sinken sich auf offener Bühne in die Arme, und Michel Friedman ruft anlässlich seiner Antisemitismus-Rede gleich mal ein »neues Bayreuth« aus.