Als noch eine halbe Minute zu spielen und das Halbfinale längst verloren war, standen die deutschen Basketballfans in der Uber Arena auf. Sie klatschten und jubelten, sie feierten das deutsche Team, als hätte es gerade den Einzug ins Finale bei der Heim-WM in Berlin geschafft. Kurz darauf versammelten sich Deutschlands Nationalspielerinnen in der Hallenmitte unter dem großen Videowürfel und streckten die Fäuste zusammen. Es folgte wie üblich ihr Schlachtruf: »Eins, zwei, drei, Attacke!« Dann drehten sie noch eine Ehrenrunde und klatschten mit den Fans in der ersten Reihe ab.
Fans und Spielerinnen wussten, welch große Leistung es war, überhaupt dieses WM-Halbfinale erreicht zu haben. Zuvor hatte die deutsche Nationalmannschaft der Frauen nie ein Viertelfinale erreicht. Dass sie ihr Halbfinale gegen Frankreich mit 64:86 verlor und am Sonntag um Bronze statt um Gold spielen wird, war keine riesige Überraschung. Die Sensation ist, dass sie jetzt zu den besten vier Nationen zählt. Die Halbfinalniederlage macht diesen historischen Erfolg keineswegs zunichte.
Vor dem Spiel hatten sich die Experten gefragt, was es brauche, um nach dem Europameister Belgien auch Frankreich zu schlagen, die aktuell wohl zweitbeste Nation der Welt hinter den US‑Amerikanerinnen. Auf zwei Bedingungen konnten sich alle einigen.
Erstens brauchten die Deutschen ein nicht so gutes Spiel der Französinnen. Das bekamen sie. Frankreich, das bisher bei dieser WM voll und ganz überzeugt hatte, spielte an diesem Samstag für seine Verhältnisse durchschnittlich.
Dominique Malonga, die hochtalentierte Centerspielerin aus der WNBA, 20 Jahre alt, 1,96 Meter groß, hatte einen ganz schwachen Tag. Sie vergab einfache Korbleger, lange hatte sie mehr Fouls als Punkte. Und warum Marine Johannès von den New York Liberty, Spitzname The Wizard, als eine der aufregendsten Guards der Welt gilt, konnte man lange nur erahnen. Frankreichs Wurfquote war okay, aber nicht herausragend.
»Turnover, die völlig unnötig waren«
Doch was die Deutschen auch noch gebraucht hätten für einen Sieg, wäre ein nahezu perfektes eigenes Spiel gewesen. Und das bekamen sie nicht. Sie machten einfach zu viele Fehler. Vor allem warfen sie den Ball viel zu oft nicht zu einer Mitspielerin im schwarzen Trikot, sondern zu einer Gegnerin in Weiß. 24 Turnover leisteten sie sich (die Französinnen nur sieben).
Viel zu viele Turnover seien das gewesen, sagte der Bundestrainer Olaf Lange hinterher. Auch wenn das Bälleklauen eine große Stärke der schnellen Französinnen ist. »Es waren vor allem zehn bis zwölf Turnover, die völlig unnötig waren. Leichtsinnige Ballverluste«, sagte Lange. »Dann ist es schwer, im Spiel zu bleiben gegen Frankreich.« Insgesamt 29 Punkte erzielten die Französinnen aus den deutschen Ballverlusten.
Damit machten sich die Deutschen ein ansonsten gutes Spiel kaputt. Sie nutzten ihre Größenvorteile und ihre Physis unter dem Korb. Nyara Sabally und die Kapitänin Marie Gülich konnten immer wieder in Korbnähe punkten. Auch holten sie zehn Rebounds mehr als die Französinnen. »Heute waren wir beinahe dran«, sagte Lange. Im März hatte sein Team noch chancenlos gegen Frankreich verloren, schon nach dem ersten Viertel hatte es damals mit 15 Punkten hinten gelegen. Die Lücke zu Frankreich habe man verkleinert, sagte Lange. Aber noch nicht geschlossen.
»Im dritten Viertel sind wir ein bisschen eingebrochen«, sagte Leonie Fiebich. Da hatten die Französinnen die deutschen Basketballerinnen bei jedem Ballbesitz ein bisschen stärker unter Druck gesetzt. Dem konnten sie nicht standhalten. Fiebich: »Am Ende war es einfach nicht genug.«
Schon in den Testspielen vor der Weltmeisterschaft war auffällig, dass die deutsche Mannschaft Probleme bekommt, wenn sie früh unter Druck gesetzt wird. Sein Team müsse nun herausfinden, wie es damit besser umgehen könne, sagte Lange.
