
Viele Baustellen, lange Bauzeiten, unpünktliche Züge, und das noch über viele Jahre: Die malade Infrastruktur der Eisenbahn stellt die Geduld der Deutschen auf die Probe. Nur nachvollziehbar, dass sich viele Gedanken machen, wie sich dies alles beschleunigen lässt. Derzeit sieht es zwar nicht danach aus. Vielmehr wurden zuletzt die geplanten großen Gleisstreckensanierungen aus vielerlei Gründen zeitlich gestreckt. Nun aber hat die Deutsche Bahn einen neuen Trend ausgerufen: modulares Bauen.
Was ist darunter zu verstehen? Es geht darum, den Bauprozess mit industriell vorgefertigten Modulen zu beschleunigen. Die Branche versucht das heute vor allem im Wohnungsbau zu demonstrieren. Wohnungen oder einzelne Bauteile werden in einer Art Baukastensystem vorgefertigt und anschließend auf der Baustelle zu größeren Gebäuden zusammengesetzt. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben schildert den Prozess so: „Durch die serielle Modulbauweise ist die Bauzeit stark verkürzt: Im Werk werden die Raummodule vorgefertigt, mit Schiff und Lkw zur Baustelle transportiert und dort mithilfe eines Krans montiert.“
Industrielle Fertigung statt Vor-Ort-Herstellung
Auf der Bahntechnikmesse Innotrans hat die DB jetzt den „DB Supplier Innovation Award 2026“ verliehen. Der Sieger und die Finalisten des Innovationspreises setzen den Angaben zufolge mit neuen Methoden auf vorgefertigte Bauteile in der Sanierung und dem Bau von Bahnstrecken, Tunneln und Brücken. Gewinner ist das Unternehmen Salcef Bau mit seiner Baumethode „Fast-System“. Damit sollen schnellere Umbauarbeiten möglich sein, ohne den Bahnbetrieb komplett zu unterbrechen. Dies soll durch den Wechsel von Schotteroberflächen auf ein „Feste-Fahrbahn-System“ gelingen, unter anderem mit vorgefertigten Gleistragplatten als Basis.
Unter die Finalisten des Innovationspreises schafften es laut DB auch die Max-Bögl-Stiftung sowie die Unternehmen Ramboll Deutschland und Laing O’Rourke. Die Max-Bögl-Stiftung erhielt eine Auszeichnung für ihre Tunnel-Modul-Bauweise. Die Betoninnenschalen für Tunnel werden dabei nicht mehr vor Ort hergestellt, sondern industriell vorgefertigt.
Die Frage bleibt: Kann durch eine Änderung der Baustrategie wirklich Zeit in größerem Umfang eingespart werden? Finanzvorstand Michael Obrowski sagt: „Durch die intelligente Kombination aus vorgefertigten Komponenten, parallelisierten Abläufen und einem integrierten Bauverfahren sollen Sperrungen künftig deutlich kürzer und weniger umfangreich ausfallen.“ Das sei eine gute Nachricht für die Reisenden. Zugleich müsse sich die neue Bauweise als wirtschaftlich sinnvoll erweisen. Konkrete Zeitsparschätzungen mag Obrowski allerdings nicht abgeben.
