
882 Dachfonds werden derzeit in Deutschland angeboten, teils mit sehr großem Erfolg. Der Aufschwung der 2000er-Jahre, als viele der Produkte auf den Markt kamen, ist jedoch verflogen. Günstige ETFs, die sich mit wenigen Klicks auch zu einem ETF-Portfolio zusammenstellen lassen, dominieren den Absatzmarkt. Angereichert seit einiger Zeit auch durch aktive ETF.
Das Berliner Analysehaus Scope hat das Dachfondssegment nun einmal genauer durchleuchtet und die Ergebnisse der F.A.Z. vorab zur Verfügung gestellt. Demnach existiert die doppelte Kostenstruktur der Dachfonds weiterhin. Nicht nur die Dachfondsgesellschaft vereinnahmt Gebühren, sondern auch die Gesellschaften der Zielfonds, in die investiert wird. Die Erhebung von Scope zeigt aber zum Beispiel für die größte Kategorie der global ausgerichteten flexiblen Dachfonds, die in Aktien- und Anleihefonds investieren, mit im Schnitt 2,2 Prozent Kosten nur einen Aufschlag von 0,4 Prozentpunkten gegenüber den einfachen Mischfonds ohne Dachfondskonstrukt. Es fallen also nicht doppelt so hohe Kosten an, aber schon ein merklicher Aufschlag.
Dachfonds schlagen ETF
Dieser lohnt sich jedoch unterm Strich, wie der Scope-Vergleich der Dachfonds mit den jeweiligen Fonds eines Bereichs ohne Dachfondskonstrukt zeigt. Demnach schafften die Dachfonds in der flexiblen globalen Mischfondskategorie im Zeitraum eines Jahres 15,7 Prozent Rendite, die einfachen Fonds aber nur 13,4 Prozent. Zudem schlugen hier die Dachfonds das ETF-Portfolio, das hälftig aus dem MSCI World und hälftig aus dem FTSE World Government Bonds Anleihe-Index besteht. Die ETFs kamen auf 11,7 Prozent Rendite. Nach Kosten lieferten die Dachfonds somit einen ordentlichen Mehrwert.
Das ist eine interessante Erkenntnis, die auch für die anderen Mischfonds-Kategorien gilt und die in den nächsten Monaten an Relevanz gewinnen dürfte. Dann nämlich werden Angebote für das im Januar 2027 beginnende staatlich geförderte Altersvorsorgedepot veröffentlicht werden. Als Standarddepot hat der Gesetzgeber eine Mischung aus Anleihen und Aktien definiert, mithin ein Konzept, das viele Dachfonds schon in sich tragen.
Es wird ein hartes Ringen zwischen günstigen ETF-Angeboten und teureren anderen Konzepten geben. Die Dachfonds können dabei ihren nun nachgewiesenen jüngsten Renditevorteil in die Waagschale werfen. Für Anleger gilt aber, den Blick auch auf die anderen betrachteten Zeiträume der Scope-Untersuchung zu werfen. Mit Blick auf drei Jahre sieht es noch gut aus für die Dachfonds, mit Blick auf fünf Jahre fallen sie aber hinter das ETF-Portfolio zurück. Das Jahr 2022 mit dem gleichzeitigen Kursrückgang von Anleihen und Aktien war für viele Mischfonds ein Desaster, da sie dies weit schlechter gemanagt haben als passive ETF-Portfolios. Mit Blick auf globale Aktien lagen die Aktien-Dachfonds zudem immer hinter den MSCI-World-ETFs in der Rendite.
Flexible Fonds mit mehr Aktien liefern auch höhere Renditen
Wie immer lohnt es sich, neben Durchschnittsbetrachtungen auf den Einzelfall zu schauen. Hier zeigt Scope seine bestbewerteten Dachfonds. Es zeigt sich, dass die dynamischen Konzepte, die mehr Aktien zulassen, wie der Vanguard Life Strategy 80% Equity (Kennnummer IE00BMVB5R75) mit Blick auf fünf Jahre im Schnitt 8,6 Prozent Rendite lieferten. Ebenso das Global Portfolio One der Liechtensteinischen Landesbank mit 8,7 Prozent (Kennnummer AT0000A2B4T3).
Die als ausgewogen klassifizierten, ebenfalls von Scope gelobten Dachfonds wie der Vermögensmanagement Balance von Allianz Global Investors (Kennung LU032102115) kommt indes wegen des moderateren Risikos auf 4,3 Prozent Rendite je Jahr. Konservative Varianten wie etwa der größte aller Dachfonds, der „Privatfonds: Kontrolliert“ der Union Investment (DE000A0RPAM5) kommen auf 2,8 Prozent. Wie immer gilt es also zu überlegen, wie viel Risiko die Anleger bereit sind einzugehen und wie viel Rendite sie aus Vorsichtsgründen einbüßen.
Der Vergleich zeigt zudem: Es gibt Fonds, die kein A-Rating erhalten, und auch kein B oder C, sondern E und nur ein Prozent Rendite im Schnitt der vergangenen fünf Jahre liefern. Sie sind ihre Gebühren definitiv nicht wert, aber dennoch liegen darin mehrere Milliarden Euro Anlegergeld.
Die Scope-Analyse kommt zu dem Schluss, dass Nutzen und Eignung der Dachfonds stark von der Strategie, Assetklasse und der Qualität des Fondsmanagements abhängen: „Insgesamt erscheint die Anlagekategorie daher weniger als Auslaufmodell denn als spezialisierte Lösung für Anleger, die eine aktiv gesteuerte, extrem breit diversifizierte Portfoliostruktur suchen.“
