
Schnelle, elegante Autos produziert Aston Martin, aber die Geschäftszahlen sind seit Jahren tiefrot. In dieser Woche ist die Holding des legendären James-Bond-Sportwagenherstellers nach einer langen Talfahrt aus dem britischen Aktienindex FTSE 250 herausgefallen. Die Aktie wird künftig nur noch im Kleinwerte-Index, dem FTSE Small Cap Index, gelistet. Einige Fonds mussten sie daraufhin verkaufen.
Als Aston Martin Lagonda im Oktober 2018 an die Börse ging, wurde das Unternehmen mit mehr als vier Milliarden Pfund bewertet, die Aktie mit 19 Pfund gehandelt. Jetzt sind es nur noch 34 Pence – ein Verlust von 98 Prozent. In diesem Jahr hat sich der Unternehmenswert halbiert. Aktuell ist der Autohersteller 345 Millionen Pfund (rund 400 Millionen Euro) wert. In den letzten Jahren hat vor allem Großaktionär Lawrence Stroll, der kanadische Rennstallbesitzer, große Verluste gemacht. Auch der chinesische Autohersteller Geely und der saudische Staatsfonds PIF sind beteiligt.
Wiederholt musste das Unternehmen seine ambitionierten Produktionsziele revidieren. Statt der einst angepeilten 10.000 Autos im Jahr stellte Aston Martin im vergangenen Geschäftsjahr weniger als 5500 Sportwagen und SUVs her. Die Verschuldung ist mit mehr als 1,3 Milliarden Pfund gefährlich hoch. Das Unternehmen brauchte immer wieder große Liquiditätsspritzen.
Zuletzt schloss es Mitte Juli einen Deal mit der Blackrock-Tochtergesellschaft HPS Investment, die 550 Millionen Pfund gibt. Im Gegenzug erhält HPS Zugriff auf Vermögenswerte als Sicherheit. Einige andere Gläubiger sind darüber empört, darunter die Londoner Hedgefonds Arini Capital und Tresidor. Sie nannten den HPS-Deal „wertzerstörend“ und kündigten eine Klage an.
Gläubiger kündigen Klage an
Dass Aston Martin sich bei HPS zu teuren Konditionen gut eine halbe Milliarde Pfund beschaffen musste, sagt einiges: Weder der kanadische Milliardär Stroll noch Geely oder der Staatsfonds von Saudi-Arabien waren bereit, nochmals Kapital nachzuschießen. Der Luxusautobranchen-Kenner Scott Sherwood kommentierte das mit einem sarkastischen Verweis auf einen James-Bond-Filmtitel. „Aston Martin hat wieder mal genau so viel getan, um gerade so am Leben zu bleiben, oder in anderen Worten: ‚Stirb an einem anderen Tag‘“. Die 1913 gegründete Sportwagenfirma musste in ihrer Geschichte schon sieben Mal Insolvenz anmelden.
Im Jahr 2025 belasteten Aston Martin die US-Zölle, hinzu kommt aber die Schwäche in China. Für das erste Halbjahr 2026 meldete das Unternehmen eine – gegenüber dem sehr schlechten Vorjahreszeitraum – eine Verbesserung der Zahlen. Der Absatz legte auf 2330 Automobile zu, der operative Verlust sank auf 56 Millionen Pfund. Vorstandschef Adrian Hallmark, der bis 2024 von Bentley kam, sagte zu den Zahlen: „Das erste Halbjahr 2026 zeigt, dass wir auf dem besten Weg sind, in diesem Jahr im Vergleich zu 2025 eine wesentliche finanzielle Verbesserung zu erzielen.“ Die Absatzzahlen im zweiten Quartal hätten sich um 43 Prozent erhöht. Die Formel-1-Bilanz des Rennstalls ist indessen nicht berauschend.
Besondere Hoffnungen setzt Aston Martin auf das „Hyper-Auto“ Valhalla. Der Super-Sportwagen mit hybridem Antrieb (mehr als 1000 PS) wird zum Preis von rund einer Million Euro verkauft. Die ersten werden nun ausgeliefert. Sie stützen mit einer sehr hohen Gewinnmarge die Ergebnisse.
