
Auch an Pfingsten braucht es in der Abteilung Unterhaltung Schlagzeilen. Wenn es nichts wirklich Neues gibt, schustert man sich etwas zusammen. Das macht sogar die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Und wenn die dpa das macht, findet sich die Geschichte im Netz dutzendfach wieder (auch in unserem automatischen Agentur-Ticker).
An Pfingstsonntag hieß es also da und dort: „Tote Hosen holen keine Million Zuschauer“. Das klingt dramatisch. t-online wollte es noch dramatischer und kalauerte: „Tote Hose im TV: Doku über Kultband floppt“.
Die ARD hat den Film versenkt
Tatsächlich hat der Film „Was bleibt: Die Toten Hosen – Das letzte Album“ von Eric Friedler an Pfingstsamstag „nur“ 740.000 Zuschauer und eine Einschaltquote von 9,2 Prozent erreicht. Das aber ist nicht besonders schlecht und markiert keinen „Flop“, es ist im Gegenteil erstaunlich, dass an einem späten Samstagabend, an einem langen Feiertagswochenende nach dem „Wort zum Sonntag“ um 23.25 Uhr, überhaupt noch Menschen vor dem Bildschirm sitzen und einen Film schauen, der bis um ein Uhr nachts läuft.
Die ARD hat die Toten Hosen in der linearen Ausstrahlung versenkt. Das ist umso erstaunlicher, als sie es zuvor mit den Dokus „Udo Rebell. Rockstar. Ikone“ über Udo Lindenberg und „Grönemeyer – Alles bleibt anders“ noch zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr probiert hatte und damit nicht falschlag.
Zuerst richtet der SWR für den Film über die Toten Hosen in Mainz eine beeindruckende Premiere (mit begeistertem Publikum) aus, und dann – spielt die Musik im Abseits. Dass das Erste an diesem Samstagabend zuvor mit der Übertragung des DFB-Pokalfinales knapp 6,8 Millionen Zuschauer anlockte und einen Marktanteil von 36,3 Prozent erreichte, ist wiederum keine Jubelmeldung wert, sondern angesichts der Popularität des Fußballs mittelmäßig. Und für die allermeisten war der Fernsehabend nach Harry Kanes Hattrick und der unsäglichen Pyroshow der Ultra-Fans im Berliner Olympiastadion dann auch vorbei.
Wenn die ARD eine Langzeitbeobachtung wie im Fall der Toten Hosen (die sich auf eine solche Geschichte erst einmal einlassen mussten) aufbietet, wäre sie gut beraten, diese nicht nur in der Mediathek, sondern auch im linearen Programm adäquat unterzubringen. Ansonsten macht sie sich ihre Qualitätsbilanz selbst kaputt und fordert gedankenarme Schlagzeilen wie die der dpa und von t-online heraus.
