Die Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Volkswagen, Daniela Cavallo, hat den deutschen Arbeitgebern Angriffe auf Arbeitnehmerrechte und einen Bruch der Sozialpartnerschaft vorgeworfen. »Die Arbeitgeberseite hat den Anstand verloren«, sagte Cavallo laut Redemanuskript bei einer Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Hannover. Die Unternehmen versuchten im »Strudel der Krise« hart erkämpfte Standards und tarifliche Absicherungen der Beschäftigten gezielt auszuhebeln. »Das macht mich wütend, weil ich es als einen echten Verrat empfinde«.
Der Umstieg auf Elektromobilität, die internationalen Konflikte im Handel und die starken Rückgänge im Geschäft in China hätten für Druck in der Automobilbranche gesorgt, sagte Cavallo. Dennoch dürfe die Bewältigung dieser Probleme nicht einseitig den Belegschaften aufgebürdet werden. Bei VW bedrohe die Unternehmensspitze derzeit die Standorte in Hannover-Stöcken, Emden, Zwickau und Neckarsulm mit der Schließung. Dies sei »eine Kampfansage von Vorstand und Kapitalseite.«
Cavallo droht mit Widerstand
Die Belegschaft von Volkswagen habe bereits jährliche Einsparungen von 1,5
Milliarden Euro durch Lohnverzicht akzeptiert, um im Gegenzug eine
Beschäftigungssicherung bis 2031 zu erhalten, sagte Cavallo. Wenn das
Management diese Zusagen nun aufkündigen wolle, werde die Arbeitnehmerseite
massiven Widerstand leisten.
Gegen die Kürzung von Sozialleistungen haben Zehntausende Menschen in 15 deutschen Großstädten protestiert. Zu dem bundesweiten Aktionstag hatten der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften aufgerufen. Diese sprachen von rund 175.000 Teilnehmenden. Veranstaltungen fanden unter anderem in Bremen, Hamburg, Leipzig, Essen, Magdeburg, Nürnberg und Stuttgart statt. Die Aktion stand unter dem »Motto Hart verdient! Deine Arbeit. Deine Gesundheit. Deine Rente.«
»Wir sind bereit für Veränderung«, sagte die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Yasmin Fahimi, beim DGB-Protest in Essen. »Aber nicht, indem unsere Rechte geschliffen, unsere soziale Sicherheit gekürzt und unsere Lebensleistung entwertet werden.« Eine starke Wirtschaft entstehe nicht dadurch, dass »wir soziale Sicherheit abbauen und die Belastung für die Beschäftigten weiter erhöhen«, sagte Fahimi. »Sie entsteht durch Investitionen, durch Innovationen, durch gute Arbeit und durch gute Löhne, die Kaufkraft sichern.«
