Die Amtszeit der früheren Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) als Präsidentin der UN-Generalversammlung endet. An diesem Dienstag übergibt Baerbock den Vorsitz der UN-Generalversammlung an den Außenminister von Bangladesch, Khalilur Rahman. Die Mitgliedsländer der Vereinten Nationen hatten den 72 Jahre alten Rahman im Juni gewählt.
Kurz vor dem Ende ihrer Amtszeit hatte sie sich noch einmal für eine Frau an der Spitze der Vereinten Nationen starkgemacht. Dies sei ein „Testfall für die Glaubwürdigkeit der Organisation“, äußerte Baerbock am Freitag in New York. Bislang waren ausschließlich Männer UN-Generalsekretär.
Baerbock wollte mehr Transparenz bei der Bestimmung des Generalsekretärs
Die Menschheit bestehe zur Hälfte aus Frauen und Mädchen, erklärte Baerbock weiter. Nach dem achtzigjährigen Bestehen der UN sende „die Entscheidung ein starkes Signal aus, ob die Vereinten Nationen die Welt, der sie dienen, wirklich repräsentieren“.
Baerbock hatte sich während ihrer einjährigen Präsidentschaft der UN-Generalversammlung für einen transparenteren Auswahlprozess und eine stärkere Rolle der 193 Mitgliedstaaten bei der Bestimmung des nächsten Generalsekretärs eingesetzt. Das hatte insbesondere bei den USA und Russland Kritik ausgelöst. Derzeit gibt es fünf Bewerberinnen und drei Bewerber für die Nachfolge des Portugiesen António Guterres, dessen Amtszeit als UN-Generalsekretär im Dezember endet.

Auf Gedankenspiele um FIFA-Präsident Gianni Infantino als neuen UN-Generalsekretär hätte Baerbock nach eigenen Worten am liebsten mit einem provokanten Gegenvorschlag reagiert. Im Gegenzug hätten die Vereinten Nationen einen Vorschlag für die nächste FIFA-Präsidentschaft machen können, sagte Baerbock.
Dahinter stehe die Absicht „dieses Machtspiel sichtbar zu machen“, sagte Baerbock. „Denn mit sachlichen Gegenargumenten kommt man da nicht weit. Und vor allem sollte man jede noch so vermeintliche Absurdität ernst nehmen.“
Baerbock lehrt künftig an der Columbia-Universität
Der amerikanische Präsident Donald Trump gilt als enger Verbündeter Infantinos. Im Sommer waren Berichte aufgekommen, wonach Trump den Chef des Fußball-Weltverbands als möglichen Nachfolger von UN-Generalsekretär António Guterres ins Spiel bringen könnte. Infantino gehört bislang nicht zu den offiziell nominierten Kandidaten.
Eine eigene Kandidatur hatte Baerbock ausgeschlossen, weil nach den ungeschriebenen Rotationsregeln Lateinamerika an der Reihe ist. Mit dem Ende ihres UN-Amtes will sich Baerbock auch aus der Öffentlichkeit zurückziehen: „Es ist für mich wirklich auch so ein bisschen: So, und jetzt bin ich ein Privatmensch.“ Künftig unterrichtet Baerbock an der renommierten Columbia-Universität. Die Stelle ist auf mehrere Jahre angelegt. „Ich bin jetzt ganz froh, auch mal eine Auszeit zu nehmen“, sagte Baerbock.
