
Im Prozess um die abgesagten Taylor-Swift-Konzerte in Wien hat der Hauptangeklagte Terrorpläne gestanden. Er bekenne sich in diesem Punkt schuldig, sagte der 21 Jahre alte Beran A. zum Auftakt des Verfahrens vor dem Landesgericht Wiener Neustadt. Laut Staatsanwaltschaft hatte der Österreicher mit nordmazedonischen Wurzeln eine Schrapnell-Bombe fast fertiggestellt. Ziel waren nach bisherigen Ermittlungen die Swift-Fans vor dem Konzertgelände. Der Terrorakt sollte am 9. August 2024 erfolgen, dem Datum des zweiten von drei Swift-Konzerten im Ernst-Happel-Stadion.
Lange habe für ihn Religion keine herausragende Rolle gespielt, sagte der Angeklagte vor Gericht. Spätestens Anfang 2024 habe sich das unter dem Einfluss von Islamisten geändert. Er habe sich auch mit dem Terroranschlag 2020 in Wien beschäftigt. Damals hatte ein Islamist vier Menschen getötet und viele Passanten verletzt, bevor er von der Polizei erschossen wurde. Er habe die globale Aufmerksamkeit für diese Tat als „krass“ empfunden, zumal der Täter aus seinem Nachbardorf in Nordmazedonien stammte, so der Angeklagte.
Ein Hinweis eines US-Geheimdienstes hatte die österreichischen Ermittler auf die Spur von Beran A. geführt. Er wurde am 7. August 2024 an seinem Wohnsitz in Ternitz in Niederösterreich festgenommen. Er hatte laut Polizei am 25. Juli seinen Job gekündigt und dabei gesagt, dass er noch Großes vorhabe. In der Folge begann er der Justiz zufolge mit konkreten Vorbereitungen des Anschlags. Nach damaliger Darstellung der Regierung war die Bedrohungslage „sehr ernst“. Alle drei Konzerte von Swift in Wien mit erwarteten 200.000 Besuchern wurden daraufhin vom Veranstalter abgesagt.
Anhänger des IS
Auf der Anklagebank sitzt noch der gleichaltrige Verdächtige Arda K. Der Slowake hat laut Justiz mit den Anschlagsplänen auf das Swift-Konzert nichts zu tun. Bei ihm – wie zusätzlich beim Hauptangeklagten – geht es aber um den Verdacht der Bildung einer Terrorzelle.
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die beiden Angeklagten sowie ein in Saudi-Arabien in Haft sitzender Islamist eine anschlagsbereite Terrorzelle gebildet haben. Laut Justiz waren die Verdächtigen, die sich von der Schule kannten, Anhänger der Terror-Miliz „Islamischer Staat“ (IS).
Swift schwieg zunächst nach Bekanntwerden der Ermittlungen in Wien – und spielte währenddessen fünf ausverkaufte Konzerte in London. Dann schrieb sie auf der Plattform Instagram, aus Vorsicht habe sie zunächst schweigen wollen, bis die Konzerte in London über die Bühne gegangen seien. „Der Grund für die Absagen hat in mir ein neues Gefühl der Angst ausgelöst und eine große Schuld, weil so viele Menschen geplant hatten, zu den Shows zu kommen“, schrieb Swift. Aber sie sei auch den Behörden dankbar, „denn dank ihnen haben wir um Konzerte getrauert und nicht um Leben“.
Den Angeklagten drohen bis zu 20 Jahre Haft. Entscheidend für die Höhe der Strafe ist die Frage, ob beide Verdächtige den mutmaßlichen Komplizen zu dessen Tat in Saudi-Arabien, die als versuchter Mord gilt, ermutigt haben. Für die Vorbereitung eines Terrorakts – wie beim Swift-Konzert – fällt die mögliche Strafhöhe deutlich niedriger aus. Für den Prozess sind bisher vier Verhandlungstage anberaumt. Am 21. Mai könnte ein Urteil fallen.
