Der Vorsitzende der Labour-Partei, Andy Burnham, ist zum neuen
Premierminister Großbritanniens ernannt worden. Der Schritt wurde im Buckingham-Palast durch König Charles III.
vollzogen. Der König beauftragte Burnham mit der Regierungsbildung. Der frühere Bürgermeister von
Greater Manchester folgt auf seinen Parteikollegen Keir Starmer, der unter Druck im Juni seinen Rücktritt angekündigt hatte.
Der wegen seiner Beliebtheit in Manchester als »König des Nordens« bezeichnete Burnham
ist seit Wochen der Hoffnungsträger für Labour, das Land doch noch aus
der Krise führen zu können. Unter Starmer hatte die Partei im Sommer
2024 einen überzeugenden Wahlsieg errungen, die komfortable Mehrheit im
Parlament aber wegen interner Streitigkeiten nie wirklich nutzen können.
Seit Monaten liegt die rechtspopulistische Partei Reform UK in Umfragen
teils deutlich vorn.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gratulierte Burnham und lud ihn nach Berlin ein. Die Bundesregierung hofft auch mit dem neuen britischen Premierminister Andy Burnham auf einen engen Kontakt. Man wolle »nahtlos« an die exzellente Zusammenarbeit mit dem bisherigen Premierminister Keir Starmer anschließen, sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius.
Burnham will sich mehr um Alltagssorgen der Bürger kümmern
Burnham war am Freitag zum Chef der sozialdemokratischen Labour-Partei gewählt worden. Das Amt des Premierministers ist in Großbritannien traditionell an den Vorsitz der Regierungspartei gekoppelt. Der frühere Bürgermeister von Manchester hat angekündigt, sich stärker um die Alltagssorgen der Bürger zu kümmern und die hohen Lebenshaltungskosten anzugehen.
Die Arbeit in einer britischen Regierung kennt Burnham genau. Im Kabinett des damaligen Premierministers Gordon Brown war er in den 2000er-Jahren unter anderem Gesundheitsminister. In den Jahren 2010 und 2015 hatte er bereits zweimal erfolglos versucht, an die Spitze der Labour-Partei gewählt zu werden.
Starmer zieht positive Bilanz zum Ende seiner Amtszeit
Der neue Premier steht vor vielen der Probleme, die Starmer nicht hatte
lösen können. Die britische Wirtschaft schwächelt, außenpolitisch
verliert die Nation an Bedeutung, und die Bevölkerung leidet unter
sozialer Ungleichheit und sehr greifbaren Faktoren wie Wohnungsnot und
hohen Energiekosten. Erwartet werden schon für heute Ankündigungen zu
Maßnahmen für mehr finanziellen Spielraum.
Der 56-Jährige ist bereits der siebte Regierungschef in Großbritannien innerhalb von zehn Jahren. Starmer hatte wegen schlechter Umfragewerte, einer schweren Niederlage bei Kommunalwahlen und der wachsenden Konkurrenz durch die rechtspopulistische Partei Reform UK den Rückhalt in den eigenen Reihen verloren und sich zum Rücktritt entschieden. Beim Verlassen des Amtssitzes in der Downing Street 10 in London sagte Starmer, er sei überzeugt, dass Großbritannien heute »stärker und fairer« sei als bei seinem Amtsantritt vor zwei Jahren. Er gehe »mit einem Lächeln« und sei »stolz auf alles, was wir erreicht haben«.
Dieser Artikel wird weiter aktualisiert.
