Die umstrittenen Influencer Andrew und Tristan Tate wollen sich nach Angaben ihres Anwalts Joseph McBride der drohenden Auslieferung nach Großbritannien widersetzen. Die für ihre frauenverachtenden Äußerungen bekannten Brüder waren am
Wochenende auf Antrag der britischen Anklagebehörde Crown Prosecution
Service in den USA festgenommen worden. Den beiden werden verschiedene
Sexualdelikte vorgeworfen, unter anderem Vergewaltigung und
Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung.
Anwalt McBride bezeichnete seine Mandanten als unschuldig. Die Festnahme sei ein Komplott und politisch motiviert. Schon nach der Festnahme hatte der Anwalt in einem Post auf X von einem angeblichen politischen Komplott gesprochen, dessen nächstes Opfer US-Präsident Donald Trump sein werde.
Seinen Post bebilderte McBride mit einem KI-generierten Bild, das
die Brüder gemeinsam in einer Zelle sitzend zeigt. An der Wand ist »Political Prisoners« (Politische Gefangene) zu lesen. Zudem repostete er einen Beitrag des rechtsextremen Holocaustleugners Nick Fuentes, in dem dieser die Tate-Brüder verteidigte und eine mögliche Auslieferung als »nationale Demütigung« für die USA bezeichnete.
Insgesamt 59 Anklagepunkte
Die Tate-Brüder wurden in den USA geboren, zogen aber nach der Scheidung
ihrer Eltern mit ihrer Mutter nach Luton nördlich von London. Sie haben
die US-Staatsbürgerschaft und die britische Staatsangehörigkeit. Beide
hatten zeitweise ihren Lebensmittelpunkt in Rumänien, wo ebenfalls gegen
sie ermittelt wird. Andrew Tate, ein ehemaliger Kickboxer, erreicht mit
frauenverachtenden Aussagen in sozialen Netzwerken Millionen Menschen,
vor allem Jugendliche und junge Männer. Sein Bruder Tristan assistiert
ihm dabei.
Großbritannien verlangt die Auslieferung der Tate-Brüder
wegen 59 Anklagepunkten, wie die britische Strafverfolgungsbehörde CPS
am Sonntag mitteilte. Davon betreffen 42 Vorwürfe Andrew Tate und 17 seinen Bruder. Die Polizei im englischen Hertfordshire hatte in diesem Jahr Ermittlungen wegen Vergewaltigungs- und Missbrauchsvorwürfen gegen Andrew Tate
aus den Jahren 2014 und 2015 wieder aufgenommen. Zudem untersucht die
Polizei im englischen Bedfordshire andere Vorwürfe der Vergewaltigung
und des Menschenhandels gegen die Brüder. Ferner werden sie in
Großbritannien der Steuerhinterziehung und Geldwäsche beschuldigt.
