
Natürlich ist im prächtigen Festsaal des Residenzschlosses nicht alles Gold, was glänzt. Dafür hatte man 1868 nicht genug Geld im Zwergstaat Sachsen-Altenburg, als die beste Stube der Hauptstadt nach einem Großbrand im historistischen Stil (und somit goldselig) wiederaufgebaut wurde. Aber genug Geld für einen direkt danach begonnenen Prestigebau hatte man: Am Fuß des Schlossbergs wurde bis 1876 das Lindenau-Museum errichtet, dessen frühitalienische Gemäldesammlung Altenburg einen weltweiten Ruf als Kunstmetropole einbrachte – die zwar mit nun noch etwas mehr als 30.000 Einwohnern seit der Wende fast um die Hälfte geschrumpft ist, aber ihr Ruf bröckelte nicht.
Wohl aber die Substanz. Deshalb wurde das Lindenau-Museum gemäß einem Masterplan, den der seit 2016 amtierende Direktor Roland Krischke erarbeitet hat, 2020 zwecks Restaurierung und Ausbau geschlossen, und das ist es immer noch, und das wird es auch noch lange bleiben, mindestens bis 2029, denn wie immer gab es Überraschungen auf dem Sanierungsweg. Nicht zuletzt den Abschied von der Vorstellung, dass der unweit gelegene ehemalige Marstall zum Depot-, Verwaltungs- und weiteren Ausstellungshaus umgebaut werden könnte. Acht rekonstruierte Ecktürmchen wurden dem ruinösen Riesenbau schon aufgesetzt, doch der Rest sieht weiter aus wie die Kulisse für „Apocalypse Now“. Mit den von Land und Bund vor sechs Jahren zugesagten 48 Millionen Euro fürs Gesamtprojekt Lindenau-Museum ist diese Baustelle nicht zu beenden.
Also Umdenken bei laufendem Umbau, und um das zu demonstrieren, hat Krischke nur sieben Jahre nach seinem ersten einen zweiten Masterplan folgen lassen. Der noch zwei weitere Depot-Optionen aus dem Hut zaubert: die „Neue Remise“ und eine alte Spielkartenfabrik. Die eine müsste – nomen est omen – neu gebaut, die alte umgebaut werden.
Bleibt in Zeiten knapper Kassen nur Romantik?
Auch dafür braucht es Geld, und der Jahresempfang der Altenburger Museen am Mittwoch dieser Woche schien der richtige Anlass, darum zu buhlen. Im goldblitzenden Festsaal sitzen Vertreter potentieller Förderer: vom Bundesfinanzministerium, von der lokalen Sparkasse und vor allem der thüringische Bildungs-, Wissenschafts- und Kulturminister Christian Tischner, der vom Oberbürgermeister André Neumann gleich passend eingestimmt wird: „In Zeiten knapper Kassen setzen wir auf Romantik.“
Damit war zwar die Eingangsmusik gemeint („Für mich soll’s rote Rosen regnen“), aber auch klargemacht, dass die Stadt kein Geld hat. Dafür hat sie Krischke, der vom Minister das Zeugnis ausgestellt bekommt, „sehr gut in Mitteleinwerbung, noch besser in Mittelverwendung“ zu sein. Notabene: Verwendung, nicht Verschwendung. Doch, so Tischner weiter, man müsse auch ehrlich sein: Neue Verpflichtungen ließen sich nicht seriös zusagen. Sie sind somit erst einmal abgesagt. Das Land leistet laut Minister schon eine jährliche institutionelle Förderung der Altenburger Museen in mittlerer sechsstelliger Höhe.
Aber wer so gut in Mitteleinwerbung ist wie Krischke, gibt nicht auf: Als Moderator des Abends, so antwortete er dem Minister, müsse er zwar moderat sein, aber eine siebenstellige institutionelle Förderung solle es doch bitte bald sein. Schon in wenigen Tagen werde er sich mit Tischner treffen, und wenn der Minister auf ein schönes Wochenende aus sei, solle er lieber eine Absage des Termins erwägen. Das war deutlich. Und auch ehrlich. Was da vor allem glänzte im Altenburger Festsaal, war die Leidenschaft der Museumsleute für ihre Häuser.
