
Knapp sechs Wochen vor der anstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September kommt die AfD dort nach einer neuen Umfrage von Infratest dimap weiter auf 41 Prozent. Die CDU sinkt hingegen gegenüber der vorherigen Umfrage des renommierten Instituts im Mai von 26 Prozent auf nur noch 24 Prozent. Die Umfragen wurden jeweils vom MDR und den sachsen-anhaltischen Regionalzeitungen „Mitteldeutsche Zeitung“ und „Volksstimme“ beauftragt.
Die Chancen der AfD auf eine absolute Mehrheit im Landtag sind nach der neuen Umfrage trotz der Verluste der regierenden CDU eher gesunken. Denn neben der Linkspartei, die um einen Prozentpunkt auf 13 Prozent zulegt, sowie der SPD, die weiter stabil bei sieben Prozent liegt, zögen demnach auch die Grünen wieder in den Magdeburger Landtag ein. Die Grünen können in der Umfrage einen Punkt auf fünf Prozent zulegen. Je mehr Parteien im Landtag vertreten sind, desto geringer sind die Chancen der AfD auf die angestrebte Alleinregierung.
Das BSW, das in Sachsen-Anhalt scharf gegen die etablierten Parteien polemisiert und sich zunehmend offen für die AfD zeigt, liegt hingegen weiter nur bei vier Prozent. Die bisher im Landtag vertretene FDP wird wegen geringer und daher nur schwer bezifferbarer Zustimmung weiter unter den „Sonstigen“ verbucht.
Die Umfrage, für die 1149 Wahlberechtigte befragt worden sind, wurde zwischen dem 23. und dem 28. Juli erhoben, also im Zeitraum der personellen Turbulenzen innerhalb der Bundes-CDU und teils schon unter dem Eindruck des Anschlags auf den Berliner Christopher Street Day am 25. Juli.
Sven Schulze weit unter den Werten seines Vorgängers Haseloff
Bemerkenswerte Verschiebungen gibt es bei den persönlichen Umfragewerten der beiden aussichtsreichen Spitzenkandidaten: Erstmals kann sich der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund vor Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze schieben. Mit der Arbeit des 35 Jahre alten Siegmund zeigen sich 35 Prozent der Befragten zufrieden, bei Schulze sind es 29 Prozent. Im September 2025, kurz nach der Nominierung des damaligen Wirtschaftsministers Schulze zum Spitzenkandidaten, lagen die beiden bei Infratest dimap noch gleichauf bei 20 Prozent.
Im Januar 2026 verzichtete der langjährige Ministerpräsident Reiner Haseloff dann zugunsten von Schulze auf sein Amt, damit dieser seine persönlichen Werte verbessern kann. Dies hat allerdings nicht wie geplant funktioniert. Bei der Bekanntheit liegt Schulze zwar weiter mit 65 Prozent knapp vor Siegmund, der auf 63 Prozent kommt. Insgesamt reicht Schulze bei Weitem nicht an die Bekanntheits- und Zufriedenheitswerte heran, die der langjährige Ministerpräsident Reiner Haseloff in den vergangenen Jahren erreicht hatte.
Schlüsselt man die Zufriedenheitswerte nach Altersgruppen und Geschlecht auf, zeigt sich, dass Siegmund vor allem bei den Jüngeren, bei den Männern und bei den weniger gebildeten Gruppen vorne liegt, während Schulze nur bei den Älteren und – das ist bemerkenswert für einen CDU-Spitzenkandidaten – ebenfalls bei den weniger Gebildeten erkennbar positive Werte erzielt.
Auch die Zufriedenheit mit der Arbeit der Landesregierung aus CDU, SPD und FDP hat in den vergangenen Monaten gelitten: Nach 33 Prozent im Mai zeigten sich aktuell nur noch 29 Prozent der Befragten zufrieden.
CDU-Wählerschaft steht zur Brandmauer
Mit Blick auf die Koalitionspräferenzen lehnen 82 Prozent der befragten CDU-Anhänger eine Kooperation der Union mit der AfD ab, nur 16 Prozent sind dafür. Die AfD-Anhängerschaft zeigt sich in dieser Frage gespalten, 55 Prozent sind für eine Koalition mit der CDU, 39 Prozent dagegen.
Ein gespaltenes Bild gibt es aber auch in der CDU-Anhängerschaft, wenn es um die Linkspartei geht, mit der die Union zusammenwirken müsste, wenn sie bei ihrem Nein zur AfD bleibt. Eine Koalition mit der Linkspartei lehnen 52 Prozent der CDU-Anhänger ab, 41 Prozent sind dafür. Die Anhänger der Linkspartei sind mit 91 Prozent hingegen sehr klar für eine Koalition mit der CDU.
Bei den wichtigsten politischen Themen gab es kaum Verschiebungen. Ganz oben stehen bei den Befragten weiter die Themen Migration und Integration, darauf folgen Bildung und Wirtschaft. Das Thema eines drohenden Rechtsrucks stieg allerdings auf Platz vier und verdrängte das Thema Arbeitslosigkeit.
