
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) befürchtet im Falle einer Abschaffung des Achtstundentags negative Folgen für Familien. Eine Änderung des Arbeitszeitgesetzes, wie es die Bundesregierung plane, würde die Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung erschweren, sagte Hendrik Hallier, Geschäftsführer der NGG Rhein-Main. Er warnte vor Plänen, die Wochenarbeitszeit auf 48 Stunden und in Ausnahmefällen auf bis zu 73,5 Stunden auszuweiten. Das würde für viele Familien zusätzliche Probleme schaffen.
„Kita- und Arbeitszeiten sind schon heute eng aufeinander abgestimmt“, sagte Hallier. Wenn Beschäftigte künftig zehn oder zwölf Stunden am Stück arbeiten müssten, wäre eine verlässliche Planung des Familienalltags kaum möglich. In Frankfurt gibt es nach Recherchen der Gewerkschaft für rund 10.000 Kinder im Alter unter drei Jahren einen Betreuungsplatz. Die Betreuungsquote liege damit bei knapp 45 Prozent. Betreuungsbedarf hätten aber 52 Prozent aller hessischen Eltern mit Kindern unter drei Jahren, schreibt die NGG unter Berufung auf eine Studie des Deutschen Jugendinstituts.
Nicht nur für Eltern, auch für pflegende Angehörige, die ihre Arbeit mit Pflegediensten und anderen Verpflichtungen koordinieren müssten, ergäben sich Schwierigkeiten. Besonders betroffen seien davon Frauen. In einer bundesweiten Beschäftigtenbefragung des Deutschen Gewerkschaftsbunds gaben nach NGG-Angaben 51 Prozent der Frauen an, sich zu Hause um Angehörige zu kümmern, bei Männern waren es 41 Prozent. Mehr als jeder fünfte Beschäftigte habe schon jetzt oft Schwierigkeiten, Beruf und Familie zeitlich zu vereinbaren; bei alleinerziehenden Frauen seien es 42 Prozent.
Die Ausweitung der Arbeitszeit löse zudem den Personalmangel in Gastronomie, Lebensmittelhandwerk und Nahrungsmittelindustrie nicht, sondern verschärfe die Belastung, kritisierte Hallier. Nötig seien bessere Arbeitsbedingungen und mehr Kitaplätze. Nach acht Stunden Arbeit steige das Unfallrisiko, nach zwölf Stunden sei es doppelt so hoch wie bei einem regulären Achtstundentag. Auch Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Burnout könnten die Folge sein.
