
Klarheit darüber, welche Einheit oder Einheiten das Pentagon aus Deutschland abziehen möchte, besteht noch nicht. Die Bundesregierung und die NATO versuchen wohl gerade, das in Washington herauszubekommen. Einen Hinweis allerdings gibt es. In der Ankündigung des amerikanischen Verteidigungsministeriums war die Rede von einem „Brigade Combat Team“, also einer Kampfbrigade.
Tatsächlich befindet sich gerade eine solche Einheit auf Rotationsbasis in Deutschland. Das 1. Armored Brigade Combat Team der ersten Infanteriedivision des amerikanischen Heeres ist gerade als Teil der „Operation Atlantic Resolve“ zu Übungen in Bayern. Die „Operation Atlantic Resolve“ soll die Bereitschaft der Vereinigten Staaten zeigen, die NATO-Partner zu verteidigen, wie es auf der Internetseite des Europa- und Afrika-Kommandos der US Army heißt. Dafür werden regelmäßig amerikanische Einheiten nach Europa geschickt, um mit den Partnern zu üben.
Das 2. Kavallerieregiment könnte betroffen sein
Das amerikanische Verteidigungsministerium könnte nun entscheiden, nach der Rückkehr dieses Verbands keine rotierende Einheit mehr nach Deutschland zu entsenden, so wie es im vorigen Jahr schon im Falle Rumäniens getan wurde. Das wäre für Deutschland wohl der weniger harte Schlag. Am stärksten davon betroffen davon wären die Truppenübungsplätze in Grafenwöhr – der größte amerikanische Truppenübungsplatz außerhalb der Vereinigten Staaten – und in Hohenfels.
Allerdings gibt es auch Spekulationen, es könnte das 2. Cavalry Regiment (2. Kavallerieregiment) betroffen sein. Der Verband ist im bayerischen Vilseck stationiert, unweit von Grafenwöhr. Die auch als „Second Dragoons“ bekannte Einheit ist ein Kampfverband, der mit Radschützenpanzern vom Typ Stryker ausgerüstet ist und stellt das einzige dauerhaft in Deutschland stationierte Brigade Combat Team dar. Das Regiment besteht aus rund 4800 Soldaten, die angekündigte Truppenreduzierung in einer Stärke von 5000 Soldaten würde also ungefähr auf das Regiment zutreffen.
Eine Rückverlegung ist formal nicht einfach
Schon am Ende seiner ersten Amtszeit wollte der amerikanische Präsident Donald Trump die Truppenpräsenz in Deutschland reduzieren. Damals war die Rede von 12.000 Soldaten, die abgezogen werden sollten. Und schon damals war auch das 2. Kavallerieregiment im Gespräch, zurück in die Vereinigten Staaten verlegt zu werden. Der gesamte Plan wurde dann von Joe Biden auf Eis gelegt und letztlich völlig gestrichen.
Sollte es tatsächlich diesen Verband treffen, wäre das ein ungleich härterer Schlag. Einerseits ginge es dabei um die Folgen für die amerikanischen Soldaten. Im Gegensatz zu den auf Rotationsbasis hierher Entsandten, sind die Angehörigen des 2. Kavallerieregiments dauerhaft hier stationiert. Sie haben zu großen Teilen ihre Familien mit nach Deutschland gebracht, haben hier Freundschaften geschlossen und sich in den örtlichen Gemeinschaften eingebracht. Dieses Regiment abzuziehen, würde große Veränderungen für die Soldaten bedeuten.
Andererseits hätte der Abzug dieser Einheit auch schwere ökonomische Folgen. Die Wirtschaft in der Region wird maßgeblich von der amerikanischen Truppenpräsenz angetrieben. Das Magazin der amerikanischen Armee „Stripes“ zitiert nun eine Zahl aus dem Jahr 2020. Damals habe ein Offizieller aus Vilseck gesagt, der Abzug des Verbands würde einen Verlust von einer Milliarde Dollar für die bayerische Wirtschaft bedeuten.
Allerdings ist der Abzug des 2. Kavallerieregiments aus Deutschland zumindest formal nicht ganz einfach. Der Kongress hat in den Haushalt für das laufende Jahr einige Bestimmungen aufgenommen, die eine signifikante Änderung der in Europa stationierten Truppen verhindern sollen. So soll die Verlegung eines Verbands zurück in die Vereinigten Staaten nur nach diversen Prüfungs- und Berichtsschritten möglich sein. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass die Trump-Regierung diese Vorschriften einfach ignoriert, den Abzug anordnet und erst danach schaut, wie der Kongress reagiert oder ob irgendjemand dagegen klagt.
