
Es gibt diesen Grundsatz im Bundesligaabstiegskampf, der über Jahre, abgesehen von wenigen Ausnahmen, eigentlich immer gültig war: Wenn Fußballmannschaften in sich gut funktionieren, wenn sie die vielen Niederlagen von Teams aus dem unteren Tabellendrittel aushalten, ohne zu zerfallen, dann bleiben sie fast immer in der Liga.
Dieses Gesetz galt in der jüngeren Vergangenheit für den VfL Bochum, für Werder Bremen, für Mainz 05 und im Vorjahr zum Beispiel für den 1. FC Heidenheim und den FC St. Pauli und vor einigen Jahren für Freiburg oder Augsburg. In diesem Jahr kippt hier etwas. Gerade St. Pauli und Heidenheim spielen eigentlich ordentlich, gemessen an der Qualität der Kader sind die Leistungen oftmals gut, aber das Essenzielle fehlt: genügend Tore.
Ohne Stürmer, der zumindest halbwegs zuverlässig die herausgespielten Chancen in Treffer umsetzt, helfen neuerdings auch gute Leistungen nicht mehr. Mönchengladbach spielt zwar sehr regelmäßig sehr schlecht, hat mit Haris Tabakovic aber einen Angreifer, der schon 13-mal getroffen und damit viele Punkte erspielt hat. Sehr wahrscheinlich wird die Borussia in der Liga bleiben.
Die Qualität von Individualisten als entscheidender Faktor
Beim FC St. Pauli vergibt Andreas Houtondji wie am Samstag in Heidenheim allerbeste Möglichkeiten, kein Spieler des Hamburger Stadtteilvereins hat öfter als fünfmal getroffen. Gleiches gilt für den Lokalrivalen Hamburger SV und für die Heidenheimer, die zwar gerade gegen St. Pauli gewonnen haben, in der Woche zuvor in Freiburg aber unbedrängt aus sechs Metern übers Tor schossen. Wie so oft.
Köln hingegen hat Said El Mala und Ragnar Ache (elf und sieben Tore), und beim VfL Wolfsburg, bei dem die für einen Absteiger eigentlich so typischen Zerfallssymptome sichtbar sind, kommt Mohammed Amoura auf acht Treffer.
Ganz unten in der Tabelle kommt es immer weniger auf Faktoren wie den Zusammenhalt oder die Qualität der Leistungen an, die sehr konkret von den Trainern beeinflusst werden können. Der entscheidende Faktor ist die Qualität von Individualisten in der Offensive. Und die ist abgesehen von wenigen Ausnahmen gerade im Segment der Torjäger sehr, sehr teuer.
Mönchengladbach rettet sich dank des Transfercoups Tabakovic, der von Hoffenheim ausgeliehen wurde, die Kölner Entdeckung El Mala ist ein Faktor, der beim FC alles andere überstrahlt. Wenn die Wolfsburger Rettung noch gelingt, dann, weil dort Amoura spielt, der 14 Millionen Euro und damit einen Betrag kostete, den sich St. Pauli und Heidenheim niemals leisten könnten.
Eine gute Entwicklung ist das nicht, weil damit nicht nur im Kampf um die Champions-League-Plätze zunehmend das Geld und einzelne Glücksgriffe entscheiden, sondern auch dort, wo klassische Kräfte des Mannschaftssports bis vor Kurzem noch wirtschaftliche Nachteile kompensieren konnten: Teamgeist und ein funktionierendes Kollektiv, in dem Einzelinteressen der gemeinsamen Sache untergeordnet werden. Trösten können Fußballerromantiker sich immerhin mit der zweiten Liga, wo die alten Mechanismen noch wirksam sind.
