Der Fußball-Weltverband (Fifa) hat die breite Kritik an ihren Investorenplänen für künftige Fußballweltmeisterschaften und weiteren Turnieren zurückgewiesen. Man nehme die öffentlich geäußerten Rückmeldungen und Bedenken zwar »zur Kenntnis und respektiere diese«, hieß es in einer Mitteilung. Gleichzeitig bekräftige die Fifa ihr Bekenntnis »zu einem offenen und demokratischen Konsultationsprozess« – dieser sei in den vergangenen Tagen von »fehlerhafter Berichterstattung in den Medien« gestört worden. Neben Kritik aus der Sportwelt hatten auch viele internationale Zeitungen die Fifa-Pläne kritisch kommentiert.
Die Gründung einer Tochtergesellschaft sei ausschließlich vorgeschlagen worden, »um sicherzustellen, dass alle Fifa-Mitgliedsverbände die Möglichkeit haben, die kommerziellen Chancen des Fußballs in ihren jeweiligen Ländern sinnvoll zu nutzen«, führte die Fifa nun aus. »Niemand verkauft den Fußball.« Dies sei etwas, das die Fifa »niemals in Betracht ziehen würde«.
Jeder habe das Recht, seinen Widerstand zum Ausdruck zu bringen und
weitere Klarstellungen einzufordern, »aber keine einzelne Instanz kann
für sich beanspruchen, alle 211 Mitgliedsverbände weltweit zu
vertreten«, hieß es. »Jedem Mitgliedsverband sollte es gestattet sein,
den Vorschlag zu prüfen und bei der Gestaltung seiner eigenen Zukunft
mitzureden.«
Fifa hat Frist gesetzt
Am Dienstag war bekannt geworden, dass die Fifa und ihr Präsident Gianni Infantino Anteile der WM und weiterer Turniere an private Investoren verkaufen wollen. Geplant ist die Gründung eines neuen Unternehmens, das alle
kommerziellen Aktivitäten und Turnierorganisationen bündeln soll. Die
Mehrheit dieses Unternehmens soll bei der Fifa bleiben, während
»sorgfältig ausgewählte« Investoren Minderheitsbeteiligungen ohne
Kontrollrechte erwerben dürfen.
Die Pläne sind offensichtlich bereits fortgeschritten: Laut
übereinstimmender Medienberichte soll Infantino den 211 Mitgliedsverbänden
eine Zustimmungsfrist bis zum 19. September gesetzt haben. Die Verbände
werden mit hohen Summen und der Aussicht auf eine nochmals erweiterte WM
geködert. Eine einfache Mehrheit soll ausreichen, um die Vorhaben
umzusetzen.
Uefa und Concacaf gegen Fifa-Pläne
Für die Pläne gab es von vielen Seiten Kritik: Die 55 Mitgliedsverbände der Europäischen Fußball-Union (Uefa) beschlossen am Donnerstag, alle Fifa-Turniere zu boykottieren, sollte Infantino seine Pläne weiterverfolgen. Am Donnerstagabend schloss sich der für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik zuständige Verband Concacaf mit seinen 41 Mitgliedern den Europäern an und lehnte Infantinos Pläne ab.
Auch Infantino hatte betont, es habe sich um einen demokratischen Entscheidungsprozess gehandelt. Die Uefa wies diese Darstellung zurück. Dieser »Akt der Nötigung« sei einer »Institution, der die Verantwortung für den weltweiten Fußball anvertraut ist, unwürdig«, schrieb die Europäische Fußball-Union. In dem Moment, in dem externe Investoren Beteiligungen an Fifa-Wettbewerben erwerben würden, verändere sich der Fußball für immer. »Kommerzielle Rendite wird zu einer dauerhaften Verpflichtung.«
