
Als Frank Junker vor 35 Jahren Verantwortung für Holding der kommunalen Wohnungsgesellschaften in Frankfurt übernahm, fand er eine desolate Situation vor. Es gab einen gewaltigen Sanierungsstau, nötige Mieterhöhungen waren politisch unerwünscht. Im Laufe der Jahre hat Junker einen Konzern geformt, der von einem gepflegten Wohnungsbestand, unterdurchschnittlichen Mieten, einer beachtlichen Neubautätigkeit und wirtschaftlicher Stabilität geprägt ist. Die ABG Holding ist heute ein leistungsfähiges Kernstück der kommunalen Wohnungspolitik.
Ohne diese Entwicklung und die guten Zahlen hätte sich Junker, der mit seinen klaren Worten gerne auch mal aneckt, nicht so lange im Amt halten können. Das Erfolgsrezept des Juristen war, einerseits zwar Verständnis für politische Wünsche zu zeigen, sich andererseits aber nicht vereinnahmen zu lassen. Für ihn war immer klar, dass am Ende irgendjemand die Rechnung bezahlen muss und er als Geschäftsführer für die Wirtschaftlichkeit des Konzerns mit seinen rund 800 Mitarbeitern verantwortlich ist.
Mit der Bestellung von zwei erfahrenen Managern kommunaler Unternehmen zu neuen Geschäftsführern zeigt der Aufsichtsrat unter der Führung von Oberbürgermeister Mike Josef (SPD), dass dieser Weg fortgesetzt werden soll. Den Kurs der wirtschaftlichen Stabilität zu verlassen und die ABG mit Mietensenkungen und politischen Aufträgen zu belasten, wäre ein gefährliches Experiment. Einen Rückfall in die Neunzigerjahre kann sich niemand wünschen.
