
Jetzt hat die Diskussion über die Netzskulptur, die inzwischen seit einem Monat die Konstablerwache überspannt, auch das Frankfurter Stadtparlament erreicht. Wie in der Bevölkerung sind auch unter den Stadtverordneten, die sich in der ersten Sitzung nach den Sommerferien im Römer zu Wort gemeldet hatten, zwei Aspekte besonders umstritten: die Kosten für die Kunstinstallation „A Sky Full of Hope“ von rund 2,3 Millionen Euro und die direkte Vergabe an die amerikanische Künstlerin Janet Echelman.
Thomas Bäppler-Wolf von der Wählergemeinschaft „Die Frankfurter“ hatte die Diskussion angestoßen, als er von Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) wissen wollte, welche Kosten denn noch auf die Stadt zukämen. Schließlich gebe es für das auf drei Jahre angelegte Kunstvorhaben eine wissenschaftliche Begleitung durch die Frankfurter University of Applied Sciences. Die Wissenschaftler sollen in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt und anderen städtischen Ämtern die „vom Kunstwerk initiierten Veränderungen der Konstablerwache“ untersuchen, wie Hartwig sagte. „Kosten für den städtischen Haushalt entstehen hierdurch nicht“, antwortete die Dezernentin der SPD.
Bäppler-Wolf wollte auch wissen, was der Abbau kosten werde und die Rettung der Vögel. Eine Woche nach der offiziellen Eröffnung hatte sich eine Rabenkrähe im Netz verfangen und wurde von der Feuerwehr befreit. Hartwig antwortete knapp: „Ich gehe von keinen weiteren Folgekosten aus.“ Zufrieden stellte die Antwort Bäppler-Wolf nicht. Er kritisierte mit Blick auf den Umweltschutz, dass das Netz im Wesentlichen aus langlebigem Polyethylen-Kunststoff bestehe, also „aus 103 Kilometern Plastikgarn“. Die Bürger seien „mit Recht sauer auf uns, wenn wir uns solche Sperenzien leisten, während Schulen vergammeln, ganze Stadtviertel den Bach runtergehen, keiner mehr sicher durch die Stadt laufen kann“.
Die Stadtverordneten vermissen Transparenz
Linken-Fraktionschef Michael Müller warf, wie andere auch, der Dezernentin mangelnde Transparenz vor. „Warum gab es keinen Wettbewerb?“, fragte er. Eine so hohe Summe in ein temporäres Projekt zu stecken, das zudem nur angemietet sei, hätte in den Fachausschüssen des Stadtparlaments und auch im Lenkungskreis Innenstadt diskutiert werden müssen. Isabel Schnitzler (FDP) kritisierte zudem die „unglückliche Auswahl“. Kunst und Kultur seien wichtig, doch die Bevölkerung habe für den Vorgang kein Verständnis, zumal Geld ansonsten an vielen Stellen fehle. „Wir als Stadt haben Fehler gemacht“, sagte sie. Künftig müssten die Prioritäten sinnvoller gesetzt werden.
Auch Christian Becker (CDU) forderte, dass „bei einem Projekt dieser Größenordnung Transparenz herrschen muss“. Becker hob jedoch lobend hervor, dass die „World Design Capital Frankfurt Rhein-Main 2026“, zu der das Kunstwerk von Echelman zählt, Frankfurt auch die Chance biete, neue Ideen für den öffentlichen Raum zu entwickeln. Wenn das begleitende Forschungsvorhaben „einen konkreten Mehrwert liefert, ist das zu begrüßen“, so Becker. Er hofft, dass die Erkenntnisse dann auch der Stadtplanung nutzen.
Unterstützung für das Kunstwerk erhielt Hartwig nur aus den eigenen Reihen. Die Stadtverordnete Türkân Kanbıçak verwies darauf, dass Kunst im öffentlichen Raum einen „unschätzbaren Auftrag“ erfülle. Denn Kunst werde so aus den Museen geholt und gelange „direkt mitten in das alltägliche Leben der Menschen“. Und auf die viel diskutierte Frage, warum nicht ein Frankfurter Künstler beauftragt worden sei, machte Kanbıçak deutlich, dass die „keinen städtischen Protektionismus“ brauchten. „Die bestehen aus eigener Kraft im internationalen Wettbewerb.“ Frankfurt müsse beides vorantreiben: die starke Förderung der lokalen Szene und „den Austausch mit internationalen Spitzenpositionen“.
