
Eine Flasche Bier im Biergarten, eine Dose Cola im Supermarkt, ein Sechserpack Mineralwasser zu Hause – kaum ein Getränk gelangt ohne die Technologie der KHS GmbH in die Hände der Verbraucher. Das Dortmunder Unternehmen zählt zu den auf der Welt führenden Herstellern von Abfüll- und Verpackungstechnik.
Auf dem hoch spezialisierten Weltmarkt für Getränkeanlagen gehört KHS nach eigener Aussage zu dem kleinen Kreis von Großunternehmen, die das Rückgrat der Branche bilden. Analysten schätzen, dass eine Handvoll großer Unternehmen einen maßgeblichen Anteil des Weltmarkts unter sich aufteilt. KHS beziffert den eigenen Marktanteil auf 16 Prozent, damit belege man den zweiten Platz auf der Welt. Die Ursprünge von KHS reichen bis 1868 zurück, als Louis Holstein und Carl Kappert in Dortmund mit dem Vertrieb technischer Artikel an Brauereien und Mälzereien begannen.
Im Geschäftsjahr 2025 erzielte KHS laut Geschäftsführer Walter Schön einen Umsatz von rund 1,65 Milliarden Euro. Zuvor habe sich der Umsatz lange Zeit stabil zwischen 1,2 und 1,5 Milliarden Euro bewegt. „2025 haben wir einen deutlich höheren Auftragseingang als in den Vorjahren verzeichnet“, berichtet Schön. Rund 60 Prozent des Umsatzes entfallen auf das Neumaschinengeschäft, 40 Prozent auf Service und Ersatzteile. „Eine Anlage hält locker 20, 30 Jahre und mit Wartung noch mal länger“, sagt Schön.
Getränkeproduzenten in Schwellenländern wollen hygienische Produkte anbieten
Das Umsatzwachstum führt der Geschäftsführer auf mehrere Faktoren zurück: die wachsende Weltbevölkerung, den zunehmenden Wohlstand in Afrika und Asien, der die Nachfrage nach abgefüllten Getränken steigere, und den Trend zu Nachhaltigkeit bei Kunden. Vor allem die Nachfrage aus Schwellenländern treibt das Geschäft; dort investieren Getränkehersteller in moderne Abfüllanlagen, um hygienische und sichere Produkte anbieten zu können.
Während viele Unternehmen hierzulande Stellen strichen, baue KHS Personal auf, sagt Schön. Auf der ganzen Welt beschäftige man inzwischen fast 5800 Mitarbeiter, 2022 seien es erst rund 5000 gewesen. Etwas mehr als die Hälfte der Belegschaft arbeitet in Deutschland. Dortmund ist mit rund 1300 Mitarbeitern der größte Standort. Dort entstehen Flaschenreinigungsmaschinen für Mehrwegflaschen und Pasteure, die empfindliche Getränke wie Fruchtsäfte, Eistee und Bier haltbar machen.
In Bad Kreuznach werden mit 800 Mitarbeitern Hochleistungsfüller und Prozesstechnik gefertigt. In Worms hat man die Palettiertechnik entwickelt, in Kleve das „Nature MultiPack“. Dabei werden Flaschen oder Dosen mit Klebepunkten statt mit Schrumpffolie zu Gebinden zusammengefasst. Spezialkleber verbinden die Flaschen an wenigen Punkten miteinander, stabil genug für den Transport, aber vom Verbraucher leicht zu trennen. „Bis zu 90 Prozent Plastik lassen sich so einsparen“, sagt Schön. Die Technologie wurde mehrfach ausgezeichnet. Der Getränkehersteller Vilsa vermarktet das System als „Nix-Pack“.
Hauchdünne Schicht macht Getränke in PET-Flaschen länger haltbar
Das PET-Kompetenzzentrum in Hamburg beherbergt laut Schön eine weitere Weltneuheit: die Plasmax-Technologie. Dabei wird in PET-Flaschen eine hauchdünne Schicht aus Siliziumoxid, chemisch reinem Glas, im Plasmaverfahren aufgebracht. Diese Barriere verhindert Sauerstoffeintritt und CO₂-Verlust, wodurch empfindliche Getränke wie Wein, Saft oder Bier länger haltbar bleiben. Anders als Mehrschichtflaschen sind nach KHS-Angaben Plasmax-beschichtete Flaschen zu 100 Prozent recycelbar und stabiler. Man könne die Schicht nicht sehen, so hauchdünn sei sie, erklärt Schön.
Auf der ganzen Welt setzten Getränkeabfüller auf diese „revolutionäre“ Glasinnenbeschichtung, von Europa über Nordamerika bis hin nach Indien, wo das Interesse derzeit am größten sei. Die Produktion in Hamburg sei bis Ende des Jahres ausgelastet. KHS hat Werke in den USA, Brasilien, Indien, China und Mexiko und ein Servicenetzwerk in mehr als 70 Ländern. Zu den Kunden zählten Konzerne wie Coca-Cola, Pepsi, Carlsberg und AB Inbev genauso wie mittelständische Getränkehersteller und Craftbier-Brauereien.
Der aktuelle Bestseller nach der Stückzahl ist der Dosenfüller der Serie Innofill Can C mit einer Abfüllleistung von bis zu 60.000 Dosen in der Stunde. Der platzsparende Innofill Can C habe sich in der amerikanischen Craft-Szene fest etabliert, der neuere SmartCan Eco stoße auf ein positives Echo. Der Trend zur Dose als kreislauffähiger Verpackung beflügelt das Geschäft. Den größten Umsatzanteil machen laut Schön jedoch Gesamtlinien aus, komplette Anlagenparks für PET, Glas oder Dosen.
Der InnoPET BloFill, ein Block aus Streckblasmaschine und Füller, ist die meistgefragte Konfiguration. Die PET-Flaschen werden direkt nach dem Blasprozess ohne Lufttransporteur in den Füller überführt. Das spare Platz, Energie und behandele die Flaschen schonender, sagt Schön. Die InnoPET BloFill erreicht nach Unternehmensangaben Leistungen von bis zu 72.000 Flaschen in der Stunde. „Die Investitionen für solche hochmodernen Komplettlinien bewegen sich üblicherweise im hohen einstelligen Millionenbereich und können je nach Grad der Komplexität und Automatisierung auch deutlich darüber liegen“, berichtet Schön.
Der Artikel stammt aus „Jugend und Wirtschaft“ – einem Schulprojekt der FAZIT-Stiftung mit Unterstützung der Brost-Stiftung.
