In der US-Hauptstadt Washington, D. C. haben Tausende
Menschen an einer ganztägigen Gebetsveranstaltung im Rahmen der Feierlichkeiten
zum 250. Geburtstag der USA teilgenommen. Das von der US-Regierung organisierte
Event auf der National Mall stand unter dem Motto »Neuweihe unseres Landes als
eine Nation unter Gott«. Die US-Regierung schrieb auf X von einem
»beeindruckenden Tag des Gebets, des Lobpreises und des Patriotismus«.
Die Teilnehmer sangen christliche Lieder und hörten Ansprachen.
Bei den meisten Rednern handelte es sich US-Medien zufolge um politisch
konservative, evangelikale Protestanten. Der orthodoxe jüdische Rabbi Meir
Soloveichik war der einzige nicht christliche Religionsführer auf dem Programm. Auch Vertreter der US-Regierung, darunter Präsident Donald
Trump und sein Verteidigungsminister Pete Hegseth, sowie andere prominente
Republikaner wie der Sprecher des US-Repräsentantenhauses, Mike Johnson,
wandten sich persönlich oder mit virtuellen Botschaften an die Menschenmenge.
US-Präsident zitiert polarisierende Bibelstelle
Trump las in einem Video eine
Bibelstelle vor, in der Gott den Israeliten Heilung verspricht, wenn sie beten
und sich vor Gott demütigen. Die Bibelstelle aus dem Alten Testament wird seit
Jahrzehnten bei religiösen und politischen Veranstaltungen zitiert – häufig im
Zusammenhang mit der Auffassung, die USA müssten zu Gott zurückkehren. Außenminister Marco Rubio sagte in einer Videoansprache, »unser Glaube«, das
Christentum, sei schon immer die »Seele unserer Nation« gewesen.
Der Pastor Gary Hamrick aus dem Bundesstaat Virginia sagte
in seiner Rede, die USA befänden sich in einem »geistlichen Krieg«.
»Das ist in unserer Zeit ein Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Richtig und Falsch, zwischen Wahrheit und Lüge, zwischen Licht und Finsternis«,
sagte Hamrick. »Das ist ein Kampf um die eigentliche Seele Amerikas.«
Viele Menschen im Publikum trugen Trump-Mützen und
patriotische Farben und feierten trotz der brütenden Hitze. »Ich sage nicht,
dass Trump der Retter ist«, sagte die 58-jährige Retha Bond aus Illinois der
Nachrichtenagentur AP. »Aber dies ist eine der wichtigsten Dinge, die in der
Welt passieren könnten – dass wir unser Land wieder Gott weihen.«
Die meisten Redner verwiesen auf die Verbindung des Christentums
zur amerikanischen Geschichte. Kritiker werfen der US-Regierung vor, mit der
Unterstützung von Veranstaltungen wie dieser ein Bild der USA als christliche Nation zu
forcieren und die Grenze zwischen Kirche und Staat zunehmend zu verwischen.
Gegenveranstaltungen rufen zu »Demokratie, nicht Theokratie« auf
Gruppierungen wie die interreligiöse Interfaith Alliance
organisierten Gegenveranstaltungen. Auf die Außenwand der National Gallery of
Art wurden Protestslogans wie »Demokratie, nicht Theokratie« projiziert.
Der Historiker der Princeton University, Kevin Kruse, sagte der Washington Post: »Es ist ein Unterschied, ob man sagt, Amerika ist
eine Nation mit vielen Christen, oder ob man sagt, Amerika ist eine Nation, die
dem Christentum gewidmet und durch dieses definiert ist«. Der Zeitung zufolge
wurde das Gebetsevent mit Millionen von öffentlichen Geldern finanziert.
Trump hatte zuletzt mit Online-Bildern viel Kritik auf sich
gezogen, die ihn als Papst oder Christus-artige Figur zeigen. Seine Regierung
nennt die USA eine »christliche Nation«, laut Verfassung sind Staat
und Kirche jedoch getrennt.
