Florian Kastenmeier weinte bittere Tränen und stellte sich den enttäuschten Fans, sein Trainer Alexander Ende, der in der neuen Saison weitermachen will, starrte nach dem Sturz von Fortuna Düsseldorf in die Drittklassigkeit ins Leere – während die Fürther von ihren Anhängern den aufmunternden Applaus für die Relegationsspiele gegen Rot-Weiss Essen aufsaugten.
Die Düsseldorfer, die vor zwei Jahren dramatisch am VfL Bochum im Kampf um den Platz in der Bundesliga gescheitert und diesmal mit dem klaren Ziel Aufstieg in die Zweiligasaison gestartet waren, verloren am 34. Spieltag beim Verfolger Greuther Fürth sang- und klanglos mit 0:3 (0:3) und wurden vom rettenden Platz 15 noch auf Rang 17 durchgereicht.
„Wir haben es komplett verschissen. Wir sind dafür verantwortlich. Ich habe eigentlich keine Ahnung, was ich antworten soll. Es gibt wenig zu sagen“, sagte Torwart Florian Kastenmeier, der als einziger Profi von Fans gefeiert – und nicht wie der Rest des Teams ausgepfiffen – wurde. Völlig überwältigt kämpfte er vor der Kurve mit seinen Emotionen, in der Interview-Zone sagte er später: „Das, was heute passiert ist, ist mit nichts zu entschuldigen.“
Auch für Sportvorstand Sven Mislintat ist der Abstieg ein Tiefschlag, zumal er vor nicht allzu langer Zeit noch für Borussia Dortmund, den VfB Stuttgart und Ajax Amsterdam arbeitete. „Wenn ein Spiel so startet, ist das fast wie eine selbsterfüllende Prophezeiung“, sagte Mislintat zum Spielverlauf, bei dem Düsseldorf schnell das scheinbar komfortable Polster verspielte.
Der 53-Jährige folgte im Dezember auf Klaus Allofs und sollte die Lage bei Fortuna eigentlich beruhigen. „Das ist nicht das Ergebnis eines Spiels – wahrscheinlich nicht mal nur einer Saison, sondern auch einer Entwicklung in diesem Klub“, relativierte Mislintat. Unmissverständlich kritisierte der Funktionär aber auch das Auftreten der Profis in Fürth. „In der ersten Halbzeit hat nichts gestimmt.“

Fürth hingegen erreichte zumindest noch den Relegationsplatz 16 und spielt am kommenden Freitag (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Relegation, bei Sat.1 und Sky) auswärts sowie am 26. Mai (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Relegation, bei Sat.1 und Sky) gegen den Drittliga-Dritten Essen um den letzten freien Platz in der Zweitliga-Saison 2026/27. Preußen Münster, zu Beginn der Saison von Ende trainiert, stand zuvor schon als Absteiger fest.
Felix Klaus (2. Minute), der viereinhalb Jahre für Düsseldorf gespielt hatte, Elias Egouli per Eigentor (16.) und Torjäger Noel Futkeu (36.) schossen für die Fürther vor der Pause bereits das Ergebnis heraus, mit dem das Kleeblatt an der leblosen Fortuna vorbeizog.
Abermals Futkeu (73.), der mit 19 Treffern Torschützenkönig der zweiten Liga wurde und in der kommenden Saison zu Bundesligaverein Eintracht Frankfurt wechselt, hätte seinen Klub um ein Haar gar ans rettende Ufer gebracht – der Stürmer stand aber hauchzart im Abseits. Dennoch überwog bei den Grün-Weißen die Erleichterung.
„Es ist eine verrückte Saison. Ich bin so froh, dass wir so ein Spiel abgerissen und gezeigt haben, das wir noch leben“, sagte Klaus, der hinzufügte: „Wir waren vorher abgeschrieben. Daher nehme ich diese Relegation mit Liebe an.“ Düsseldorf, dem der gelbgesperrte Torjäger Cedric Itten fehlte, strahlte viel zu wenig Gefahr aus – lediglich ein Schuss ging auf das Fürther Tor – und präsentierte sich auf ganzer Linie wie ein Absteiger.
Die Fortuna war mit den höchstmöglichen Ambitionen in diese Saison gestartet. „All-in“, wolle man gehen, sagte Trainer Daniel Thioune im Sommer. Im Oktober wurde der beliebte Coach entlassen, unter Markus Anfang stürzte der Traditionsklub immer tiefer, im Winter kam Sven Mislintat als starker Mann, Manager-Urgestein Klaus Allofs ging, auch der im April geholte Ende brachte nicht den Turnaround.
Nun ist eine Liga tiefer ein Neustart vonnöten. Fürth mit Trainer Heiko Vogel hingegen muss nun im Traditionsduell mit Rot-Weiss Essen kämpfen, um vier Jahre nach dem Abstieg aus der Bundesliga nicht erstmals seit 1997 wieder drittklassig spielen zu müssen.
