Die Antwort auf die wichtigste Frage kam schon gegen Mittag. Geliefert wurde sie von der 15. Kammer für Handelssachen des Landgerichts Hamburg. Der Antrag auf Erlass einer Einstweiligen Verfügung gegen mehrere Teams der European Football Alliance (EFA) wurde abgewiesen. Den hätte die European League of Football (ELF) gerne durchgesetzt, wodurch der Spielbetrieb in der neu ins Leben gerufenen EFA ernsthaft in Gefahr geraten wäre. Kurz vor 13 Uhr aber fiel am Freitag die Entscheidung. Sechseinhalb Stunden später flog in der EFA der erste Football.
Es war ein Auftakt, wie ihn sich die neue Liga nur wünschen konnte: mit Spannung, spektakulären Szenen, Dramatik – und einer Entscheidung, die weniger als zwei Minuten vor Schluss viele Gemüter erhitzte. Aber der Reihe nach.
„Das ist eine harte Entscheidung“
Beide Teams wirkten zunächst ziemlich unsicher, was auch ein Resultat aus der lange unklaren Situation sein dürfte, ob denn die Liga tatsächlich zustande kommen würde. Längst nicht jeder Pass fand sein Ziel, nicht jeder Laufweg war der richtige, nicht jeder Ball blieb in den Händen. Am Ende siegte Paris verdient, weil die Musketeers insgesamt abgeklärter und zielgerichteter spielten und in den richtigen Momenten zur Stelle waren.
Mit zwei Touchdowns in kurzer Zeit drehten die Franzosen im Schlussviertel die Partie, nachdem Frankfurt Galaxy zwischenzeitlich 20:7 in Führung gelegen hatte. Quarterback Zach Edwards aber behielt die nötige Ruhe und Übersicht, bediente erst Hugo Tekedam und lief schließlich selbst in die Endzone. Das saß.

Mit noch einer Minute und 19 Sekunden auf der Uhr bot sich jedoch den Frankfurtern die große Chance, das Spiel kurz vor Schluss wieder in ihre Richtung kippen zu lassen: Galaxy-Quarterback Ethan Garbers versuchte, den Ball aus kürzester Distanz selbst über die Linie zu wuchten. Für die meisten Zuschauer im Stadion schien dieser Plan auch aufgegangen zu sein. Die Schiedsrichter allerdings entschieden, Garbers habe es nicht in die Endzone geschafft; auch die anschließende Ansicht der Videobilder brachte nicht die nötige Klarheit.
„Das ist eine harte Entscheidung“, sagte Galaxy-Cheftrainer Thomas Kösling nach der Partie. Da hatte zumindest er sich wieder ein wenig beruhigt. Schon während des Spiels war er immer wieder mit den Schiedsrichtern aneinandergeraten. Die abschließende Entscheidung gegen sein Team hatte ihn wie auch den Galaxy-Gesellschafterkreis und zahlreiche Zuschauer, das war deutlich zu erkennen gewesen, einigermaßen fassungslos gemacht. „Ich glaube immer noch, dass er (Ethan Garbers/d. Red.) in der Endzone war“, sagte Kösling, der den Blick schnell auf das nächste Spiel in zwei Wochen gegen München richten wollte.

Die Frankfurter Offensive war an diesem Abend Antworten schuldig geblieben. Quarterback Garbers zeigte zwar in einigen Aktionen, dass in ihm großes Potential zu stecken scheint, etwa bei gleich mehreren präzisen, längeren Würfen oder eigenen Läufen. Zu oft aber traf er nicht die richtigen Entscheidungen, zu spät nahm er das Spiel selbst in die Hand. Sein starker Touchdown-Pass auf Receiver Paul Lenhardt, gegen Paris einer der besten Frankfurter, war am Ende zu wenig.
Was Galaxy lange am Leben gehalten hatte, war die überraschend starke Defensive. In den vergangenen Jahren noch eher das Sorgenkind, brachte die Frankfurter Verteidigung nun ihren Gegner immer wieder in große Bedrängnis. Insbesondere Mason Chambers stach hervor, der erst für einen Ballverlust von Quarterback Edwards sorgte und später einen Pass kurz vor der eigenen Endzone spektakulär abfing und beinahe über das gesamte Spielfeld zu einem Defensiv-Touchdown trug. Der dadurch entstandene Vorsprung aber, er reichte nicht, um die Partie zu gewinnen.
„Es fühlt sich an, als hätten wir das Spiel aus den Händen gegeben“, sagte Kösling, der sich auch über viele Undiszipliniertheiten ärgerte; durch zahlreiche Strafen wurde sein Team immer wieder empfindlich zurückgeworfen. Aber dieses Spiel habe gezeigt, dass sein Team in der Lage sei, unter den Besten mitzuhalten. Ähnlich sah es Offensivspieler Lenhardt: „Wir müssen die kleinen Fehler abstellen, in der Offensive besser zusammenfinden. Unsere Defensive hat heute herausragend gespielt. Daraus müssen wir künftig einfach mehr Kapital schlagen.“
Unter dem Strich blieb so eine Frankfurter Auftaktniederlage, die die Verantwortlichen zwar ärgerte, den Zuschauern aber durchaus einen unterhaltsamen Football-Abend bot. „Ich glaube, beide Mannschaften können aus diesem Spiel sehr viel lernen“, sagte Paris-Trainer Jack Del Rio, einst Headcoach in der National Football League (NFL) und mit den Baltimore Ravens Super-Bowl-Sieger. „Den Fans aber muss das sicher Spaß gemacht haben, zuzuschauen.“ Eric Reutemann, Geschäftsführer von Frankfurt Galaxy und seit Kurzem auch in einer Doppelrolle CEO der EFA, sagte deshalb folgerichtig: „Das war heute Werbung für die Liga.“
