
Als der FC Bayern im vergangenen Juli aus der Klub-WM ausschied und in einen verkürzten Urlaub startete, wussten sie in München genau, warum sie diesen kurzen Sommer in Kauf nahmen. In wenigen Wochen Arbeit in den Vereinigten Staaten, mit fünf Spielen und drei Siegen, hatte der Klub umgerechnet knapp 50 Millionen Euro verdient. Borussia Dortmund bekam mit dem gleichen Aufwand knapp 45 Millionen Euro. Geld, das beiden Klubs gegenüber den Konkurrenten in der Bundesliga einen Vorteil verschafft.
Dass der Fußball-Weltverband FIFA mit gigantischen Preisgeldern für wenige Teams die Ergebnisse in nationalen Ligen auf der ganzen Welt beeinflussen könnte, war einer der großen Kritikpunkte an der Klub-WM. In der Theorie hatte die FIFA ein Instrument entwickelt, um diese neu entstandene Ungleichheit abzumildern. Im März 2025 verkündete sie nicht nur ein Preisgeld von einer Milliarde US-Dollar, das unter den 32 Teilnehmern der Klub-WM verteilt würde, sondern auch ein „umfassendes und bahnbrechendes Modell der weltweiten Solidarität“. Man habe sich zum Ziel gesetzt, dem internationalen Klubfußball zusätzliche 250 Millionen Dollar zur Verfügung zu stellen, sagte FIFA-Präsident Gianni Infantino damals.
Keine Spur von den 250 Millionen Dollar
Mehr als ein Jahr nach dieser Ankündigung und zehn Monate nach dem Ende der Klub-WM ist dieses Geld nach F.A.Z.-Informationen immer noch nicht geflossen. Es ist noch nicht einmal bekannt, wie genau dieser Solidaritätsmechanismus aussehen soll. Die FIFA schweigt dazu. Die Nachfrage der F.A.Z., ob es einen Zeitplan für die Auszahlung gibt, wie genau das Geld verteilt wird und ob am Ende tatsächlich die angekündigte Summe von 250 Millionen US-Dollar (215 Millionen Euro) erreicht wird, blieb unbeantwortet. Auch manch ein Klub- oder Ligavertreter wartet auf Informationen.
Solidaritätszahlungen sind keine neue Idee. Der Europäische Fußballverband UEFA schüttet jährlich sieben Prozent seiner Einnahmen aus seinen Wettbewerben an Klubs in ganz Europa aus, damit das Preisgeld aus der Champions League die nationalen Wettbewerbe nicht zu sehr beeinflusst. Kritiker beklagen allerdings, dass dieses Geld bei Weitem nicht ausreicht, das Ziel zu erreichen. Und auch die von der FIFA angekündigten 250 Millionen US-Dollar, verteilt auf Klubs auf der ganzen Welt, wirken eher wie ein Tropfen Wasser im Wüstensand angesichts der mehr als 110 Millionen US-Dollar, die allein der Klub-Weltmeister FC Chelsea verdiente.
In ihrem Jahresbericht schreibt die FIFA, die Klub-WM habe „beispiellose finanzielle Erfolge“ gebracht, insgesamt habe man mehr als zwei Milliarden Euro eingenommen. Das Solidaritätsprogramm befinde sich „in der Umsetzungsphase“. Die liefe dann seit Monaten. Selbst wenn die Zahlung von Solidaritätsgeldern eher symbolisch wirken mag, hat auch die seit Monaten ausbleibende Zahlung einen symbolischen Wert: Er zeigt an, wie weit oben die Solidarität auf der Prioritätenliste der FIFA steht.
