
Fußballfreunde kennen Cristian Chivu vielleicht noch als den Mann mit dem Helm. Im Januar 2010, als Verteidiger von Inter Mailand, war sein Kopf in der Luft gegen den Kopf eines Gegenspielers gestoßen. Chivu erlitt eine Schädelfraktur, fortan trug er auf dem Spielfeld einen Spezialhelm. So konnte er mitwirken, als seine Mannschaft vier Monate später erst den italienischen Pokal, dann die Meisterschaft und schließlich das Finale der Champions League gegen den FC Bayern gewann.
Ohne Helm, dafür mit Sakko hat Cristian Chivu am Dienstag wieder den italienischen Pokal gewonnen. Das bedeutete zwar nicht das Triple, aber immerhin das Double, erstmals seit jenem Mai 2010. Den Meistertitel kann Inter schon seit anderthalb Wochen niemand mehr nehmen, sie spazierten völlig unangreifbar durch die Serie A. Und Chivu wurde durch das 2:0 im Finale gegen Lazio Rom zum ersten Trainer seit José Mourinho, der diese beiden Titel in einer Saison gewann.
Torflaute in Italien
Es spricht nicht gerade für Italiens fußballerischen Glanz, dass eine Mannschaft, die in der Champions League am FK Bodø/Glimt verzweifelt und vor dem Achtelfinale ausgeschieden ist, nun völlig mühelos Meister und Pokalsieger wird. Das wird aber auch niemanden überraschen, der sich auf einer der zahllosen zahlungspflichtigen Streamingplattformen in diesem Jahr einmal zu einer Übertragung der Serie A verirrt hat. Man stieß dort weder auf große Geschwindigkeit noch auf große Angriffslust; in keiner europäischen Topliga fallen so wenige Tore wie in Italien.
Es spricht aber für Chivu, dass der ehemalige Verteidiger sein Team im Land der Verteidiger so souverän zu zwei Titeln geleitet hat – nach einer Saison, nach der Inter wegen einer 0:5-Finalniederlage in der Champions League und einer knapp verspielten Meisterschaft auch leicht der Erfolgshunger hätte vergehen können. Wie bei Chivus Vorgänger Simone Inzaghi, der sich lieber für die großen Geldbündel in Saudi-Arabien entschied, als in Mailand zu bleiben.
Für Chivu war es die Möglichkeit, aus Parma nach Mailand zurückzukehren. Dort wird er, wenn er fertig gefeiert hat, womöglich bald ein wenig an seiner in die Jahre gekommenen Mannschaft basteln: Weil Inter in der Liga der alten Fußballherren zwar das erfolgreichste, aber auch eins der ältesten Teams ist. Da trifft es sich gut, dass der Klub mit Chivu nicht nur einen ehemaligen Verteidiger an die Seitenlinie gestellt hat, sondern auch einen langjährigen Nachwuchstrainer.
