A.S. Fanning hat eine abgeklärte Trauerstimme, deren Bariton sofort an den von Nick Cave erinnert. Wie einst dieser, lebt Fanning auch in Berlin – er scheint aber dort eher nicht den Punk, sondern vor allem die Clubkultur in seine Musik aufgenommen zu haben.
Herausgekommen ist auf dem neuen Album „Take Me Back To Nowhere“ eine Mischung, die tieftraurige Chansons in Gewänder aus dem Synth-Pop oder Electro-Groove verschiedener Jahrzehnte kleidet und manchmal ins Bodenlose abstürzen lässt. Dann wieder stiftet Fannings Stimme auch irgendwie Trost, so dunkel seine Texte auch scheinen.
Ein Tag zum Vergessen?
Was der Sänger auch lyrisch zu bieten hat, konnte er schon auf früheren Alben wie „You Should Go Mad“ (2020) oder „Mushroom Cloud“ (2023) beweisen. Dass ihm Nihilismus attestiert wird, muss allein angesichts der Titel nicht verwundern. Die ausufernden Liedtexte tippen auch eine Tradition von Leonard Cohen und Jarvis Cocker an: Das ist Hardcore, mag man ein ums andre Mal denken, vor allem bei dem desillusionierten Stück „Today Is For Forgetting“.
Darin heißt es: „There is nobody losing out, dying to be born / To occupy their time with murder mysteries and porn / Or just burning out, come fast and thick / In the silent city where we dashed our brains against the brick”. Uff, das klingt jetzt nicht gerade nach Love Parade!
Aber zum Vergessen scheint diesem Lyrischen Ich dann zumindest nicht jeder Tag zu sein. Ganz vorsichtig tastet es sich manchmal doch an Glücksmomente heran. Beim neuen Lied „Romance“ könnte man zu Beginn auch kurz denken, hier flute die Achtziger-Ballade „I Wanna Know What Love Is“ von Foreigner wieder los – aber dann beginnt der Gesang etwa drei Etagen tiefer, mit dreimal dunklerer Botschaft und trunken eiernder Rhythmusgitarre: „The twist in the wind / The ruin to begin“, aber: „And I love you with all the need and fear I have“.
Das ist doch schon mal ein Anfang, auf dem sich aufbauen lässt. Bei „Talking To Ourselves“ wird die Musik dann sogar einmal ziemlich pompös, und wer das Lied „Western Medicine“ nicht als blanken Zynismus versteht, könnte damit friedlich schlafen gehen.
