
Das Kreuzfahrtschiff „Hondius“ wird am nächsten Montag in Rotterdam erwartet. Leicht verspätet verließ es mit 27 Besatzungsmitgliedern an Bord am Montagabend Teneriffa. Kurz zuvor musste das Schiff, das vorher im Hafenbecken geankert hatte, doch noch am Kai anlegen. Sonst hätten die letzten ebenfalls 27 Passagiere und Besatzungsmitglieder nicht an Land kommen können. Von dort aus wurden sie mit zwei Flugzeugen nach Eindhoven ausgeflogen. Insgesamt 125 Passagiere und Besatzungsmitglieder kehrten mit neun Rückholflügen von Teneriffa zurück.
Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez sagte am Dienstag, die Ausschiffung sei ohne Zwischenfälle verlaufen und ein „voller Erfolg“ gewesen. Am Ende konnte die spanische Regierung jedoch nicht ganz Wort halten. Sie hatte den besorgten Inselbewohnern versprochen, dass das Schiff keinen kanarischen Boden berühren würde; es ankerte deshalb im Hafenbecken.
Als die letzten Passagiere und Besatzungsmitglieder die Barkassen besteigen sollten, frischte der Wind auf und das Meer wurde unruhig: Die Hondius musste kurz anlegen, um, wie versprochen, bis 19 Uhr Ortszeit in See stechen zu können. Der kanarische Regionalpräsident Fernando Clavijo bekräftige deshalb am Dienstag seine Kritik. Risiken hätten durch PCR-Tests verringert werden können. Das hätten die drei Passagiere gezeigt, die nach der Ankunft positiv getestet worden seien.
Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, lobte die spanische Hilfsbereitschaft und rechtfertigte die Rückholaktion auf Teneriffa, mit der man nicht habe warten können; Cabo Verde wäre damit überfordert gewesen, sagte er am Dienstag in Madrid. Zuvor hatte er bereits auf die schwer erkrankte, infizierte Französin hingewiesen, die seit ihrer Rückkehr in Paris auf der Intensivstation liegt. An Bord hätte sie nicht versorgt werden können.
Ein Spanier wurde in Madrid positiv getestet
Bisher hat es laut dem WHO-Chef elf Verdachtsfälle gegeben, von denen neun bestätigt wurden. Diese Zahlen hätten sich dank der Bemühungen vieler Regierungen kaum verändert, könnten aber wegen der langen Inkubationszeit noch zunehmen. Zum letzten der bisher insgesamt drei Todesfälle sei es am 2. Mai gekommen. Deshalb deute „nichts darauf hin, dass es einen größeren Ausbruch geben wird“, sagte er. Nach Angaben des spanischen Gesundheitsministeriums zeigen erste Untersuchungen, dass das Andes-Virus bisher nicht mutiert ist.
Ein spanischer Passagier wurde inzwischen positiv getestet und zeigt in einem Madrider Krankenhaus erste Symptome. Bei einem zurückgekehrten amerikanischen Passagier wurde das Virus ebenfalls nachgewiesen. Das Bundesgesundheitsministerium in Berlin teilte mit, alle vier deutschen Passagiere seien „vollständig ohne Symptome“. Die vier Deutschen waren am Sonntag gemeinsam mit weiteren Betroffenen mit einer niederländischen Maschine von Teneriffa nach Eindhoven gebracht worden.
Laut Bundesgesundheitsministerium wurden sie anschließend ins Frankfurter Universitätsklinikum gebracht, wo sie in der Nacht zum Montag eintrafen. In ihren Heimatregionen sind dann die jeweiligen Gesundheitsämter zuständig. Die Länder handhaben die Quarantäne unterschiedlich. Die WHO hat 42 Tage empfohlen, Großbritannien und Griechenland haben sich zum Beispiel für 45 Tage entschieden, die USA haben keinen genauen Zeitraum festgelegt.
Die 14 Spanier in Madrid verbringen ihre Quarantäne zunächst in einem Krankenhaus, wie die fünf Franzosen in Paris und ein Grieche in seiner Heimat. In Deutschland durften die vier Hondius-Passagiere in häusliche Quarantäne heimkehren, die sechs Wochen dauern soll.
