
Rheinmetall und die Deutsche Telekom wollen gemeinsam einen Drohnenabwehrschirm entwickeln und diesen dann Städten, Ländern und dem Bund als Schutz für kritische Infrastruktur anbieten. Das teilten der Rüstungskonzern und das Telekommunikationsunternehmen am Montag mit. „Die Bedrohung durch Drohnen ist hochgradig digital“, ließ sich der Rheinmetall-Vorstandsvorsitzende Armin Papperger in einer Mitteilung zitieren. „Deshalb braucht ihre Abwehr die Verbindung aus Sensorik, Effektoren und sicheren Kommunikationsnetzen.“
Diese Fähigkeiten bündeln Rheinmetall und Telekom: Während der Bonner Telekommunikationskonzern sein Wissen aus der Mobilfunktechnik und digitaler Infrastruktur einbringt, soll sich der Düsseldorfer Rüstungshersteller auf die Sensorik und Elektronik fokussieren, also etwa Lasertechnik. Noch ist die Partnerschaft aber in einem frühen Stadium, weitere Details wollen die Unternehmen später bekannt geben.
Drohnenabwehr ist vielfältig
In der Drohnenabwehr sind zahlreiche Unternehmen unterwegs, Rüstungskonzerne rund um die Welt ohnehin, aber auch zunehmend auf Drohnen spezialisierte Start-ups oder Mittelständler und Familienunternehmen aus ganz anderen Domänen. Der Maschinenbaukonzern Trumpf, bekannt vor allem für seine Hochleistungslaser, hat sich etwa mit dem Sicherheitsunternehmen Rohde und Schwarz verbündet. Bei seinem Besuch in Australien hat sich Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) unlängst in der Hauptstadt Canberra angeschaut, wie der dortige Hersteller Electro Optic Systems mit Lasern 20 Drohnen in der Minute abschießen kann.
Angesichts des mehr als vier Jahre währenden Krieges gibt es in der Ukraine inzwischen zig Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben, Drohnen abzuwehren. Dabei sind nicht nur die Entwicklungen kreativ, auch die Finanzierung mitunter: So hat der Verein „Come Back Alive“ mit der Tankstellenkette Oro vereinbart, dass für jeden dort getankten Liter Kraftstoff zwei Cent für die Finanzierung von Drohnenabwehrsystemen gespendet werden.
In der Art der Drohnenabwehr gibt es zudem unterschiedliche Ansätze: Störsender, die mit Funksignalen arbeiten, genauso wie aus Pistolen geschossene Netze als letztes Mittel, um auf kurze Distanz Drohnen abzufangen. Für größere Drohnen bietet Rheinmetall selbst Flugabwehrsysteme an, die Schusssalven abfeuern. Im Irankrieg setzten die Amerikaner und ihre Verbündeten sogar teure Raketensysteme ein, um Drohnen abzufangen. Je nach Angriffsvektor eignen sich unterschiedliche Abwehrformate.
Größere Bedeutung der Mobilfunknetze
Der geplante Drohnenschutzschild von Telekom und Rheinmetall ist ausdrücklich nicht für die Abwehr von Kampfdrohnen gedacht, sondern vielmehr auf die klassischen Quadrocopter fokussiert, die etwa zur Industriespionage genutzt werden oder die Flughäfen, Kraftwerke oder andere kritische Infrastruktur überfliegen. Auch da gibt es freilich zahlreiche Anbieter, die solche Systeme entwickeln und auf Aufträge von Bund und Ländern hoffen.
Der Telekom-Vorstandsvorsitzende Tim Höttges zeigte sich in der Mitteilung aber gewohnt angriffslustig: „Mit unserer Kompetenz bei Konnektivität, Cloud und Datenanalyse bringen wir Drohnenabwehr auf ein neues Level“, ließ er sich zitieren. „Gemeinsam mit Rheinmetall stärken wir so die Souveränität und leisten unseren Beitrag dazu, Sorgen in der Bevölkerung zu reduzieren.“
Der Telekommunikationskonzern schützt nach eigenen Angaben seit 2017 für Behörden kritische Infrastruktur, Liegenschaften von Unternehmen oder Großevents. Die Polizei habe die Telekom etwa damit beauftragt, die Fußball-Europameisterschaft 2024 abzusichern und illegale Drohnenflüge zu erkennen. Auch forscht das Unternehmen gemeinsam mit der Universität der Bundeswehr Hamburg (Uni Bw) an dem Thema. Rheinmetall wiederum hat sich mit dem Hamburger Hafen zusammengetan, um an der Drohnenabwehr zu arbeiten.
Neue Art der Zusammenarbeit für die Telekom
Die Luftraumüberwachung und Detektion von Drohnen läuft dabei über unterschiedlichste Sensorik: ob Audio- oder Videoüberwachung, Radiofrequenzen oder Radar. Heute werden neun von zehn Drohnen noch über Radiofrequenz, also Funksignale, gesteuert. Die Telekom hat an manchen ihrer Funkmasten heute schon passive RF-Sensoren installiert, die andere Mobilfunktechnik nicht beim Funken stören. Solche Sensorik habe sich „gerade in Stadtgebieten mit dichter Bebauung“ bewährt, heißt es von der Telekom.
Rheinmetall und die Telekom gehen aber davon aus, dass zukünftig vermehrt Mobilfunknetze für die Steuerung von Drohnen genutzt werden könnten – und sie nicht mehr nur über Funk gesteuert werden von Menschen mit Controllern, sondern theoretisch von überall digital. Als Netzbetreiber will die Telekom ihren Mobilfunk als eine Art „Riesenradar“ verwenden, der Veränderungen und Auffälligkeiten im Datenverkehr erfasst. Das könnten dann Hinweise auf Drohnen sein, die die Unternehmen wiederum Einsatzkräften zur Verfügung stellen wollen. Auf dem Campus der Uni Bw hat die Telekom mit dem schwedischen Netzpartner Ericsson ein 5-G-Stand-alone-Netzwerk aufgebaut, in dem so etwas schon getestet werden kann. Solch eine Abwehr soll auch Teil der neuen Partnerschaft sein.
Die Kooperation mit Rheinmetall ist für die Telekom ein großer Schritt in den Militärbereich. Vorstandsvorsitzender Tim Höttges hatte in der Vergangenheit häufiger betont, solche Geschäfte ausbauen zu wollen. Über die Investmentgesellschaft DTCP ist das Unternehmen schon in Verteidigungsfonds investiert, außerdem ist die Telekom einer der Investoren des bayrischen Drohnenherstellers Quantum Systems.
Telekom feilt an Funk-Nachfolger
Sicherheitsbehörden gehören allerdings schon seit Jahren zu den Auftraggebern für die Telekom. Unter dem Namen T-Mission hat der Konzern seine Angebote für Behörden aus dem Sicherheitsapparat inzwischen gebündelt und hofft darauf, mit Nachfolgeprodukten den heute noch verwendeten klassischen Funk ersetzen zu können. Da geht es um stabile und sichere Netzwerkverbindungen auch bei hohem Verkehrsaufkommen im Netz, etwa bei Demonstrationen oder Großereignissen. Aber auch die Videokommunikation oder Sprachdienste sowie Apps zur Einsatzkoordination gehören zum Angebot. Auch die Konkurrenten aus der Telekommunikationsbranche arbeiten an solchen Lösungen. Der Digitalfunk BOS soll den Tetra-Digitalfunk ab Anfang der Dreißigerjahre ablösen. Wie das ausgestaltet wird, ist derzeit noch offen.
Auf der Hauptversammlung in Bonn hatte Höttges den Aktionären Anfang April berichtet, dass Generalleutnant André Bodemann in der Vorstandssitzung zu Gast war, um über die Vernetzung der Bundeswehr zu sprechen. Cybersicherheit ist dabei ein wichtiger Faktor, die Telekom betreibt ein großes Abwehrzentrum und bietet das auch als Service an.
Rheinmetall ist in der Digitalisierung der Streitkräfte freilich auch unterwegs, etwa als Generalunternehmer für die IT-Ausstattung, Optiken sowie die Bekleidungs- und Schutzausstattung von Infanteristen. Dabei handelt es sich in der Regel um Milliardenaufträge, ebenso wie die Vernetzung der IT-Systeme der Landstreitkräfte, mit der Rheinmetall 2024 beauftragt wurde.
