Robert Seethaler hat einen Roman über eine Straße geschrieben. Und fotografiert jetzt auch. Ein Gespräch über das, was von einem Menschen bleibt.
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© Basso Cannarsa/Opale/Laif
DIE ZEIT: Herr Seethaler, Ihr neuer Roman erzählt die Geschichte von Bewohnern einer Straße, die ihre Wohnungen verlassen müssen, weil ein Immobilienmakler sie aufgekauft hat. Warum haben Sie eine Straße als Ort Ihres Romans gewählt?
Robert Seethaler: Ich war schon als Kind immer gern auf der Straße, trotz meiner Sehbehinderung. Und die Straße ist ja auch heute noch ein Ort der Begegnung, wo alles möglich ist. Begegnung ist Kontakt, und Kontakt ist Berührung. Egal ob in der Liebe oder im Streit. Gleichzeitig ist die Straße auch ein Ort der Vereinzelung und Vereinsamung. Du weißt nicht, was hinter den Gardinen und hinter den Stirnen der Menschen vor sich geht. Die vergehen still, und irgendwann findet man sie mit ausgestreckten Beinen unterm Fernseher liegen.
