Die ersten Passagiere haben das von einem Ausbruch des Hantavirus betroffene Kreuzfahrtschiff MS Hondius verlassen. Die Gruppe, bestehend aus spanischen Staatsangehörigen, ist vor der Kanareninsel Teneriffa auf ein kleines Boot umgestiegen, wie das spanische Gesundheitsministerium mitteilte. Die Evakuierten werden demnach vom Hafen von Granadilla in Militärbussen zum Flughafen transportiert. Anschließend werden sie mit einem Flugzeug der spanischen Regierung nach Madrid geflogen, wo sie in einem Krankenhaus unter Quarantäne gestellt werden.
Die Evakuierung aller Passagiere solle bis Montagmittag Ortszeit dauern, teilte die spanische Gesundheitsministerin Monica García mit. Nachdem alle Spanier das Schiff verlassen haben, sollen demnach Niederländer evakuiert werden, deren Flugzeug auch Passagiere aus Deutschland, Belgien und Griechenland befördern wird. Danach würden Passagiere aus der Türkei, Frankreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten evakuiert. Als letztes werde ein Evakuierungsflug in Richtung Australien aufbrechen.
Sechs Infektionen bestätigt
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden in sechs von acht Verdachtsfällen eine Hantavirus-Infektion bestätigt. Bisher sind drei Menschen an dem von Mensch zu Mensch übertragbaren Andes-Virusstamm verstorben, darunter auch eine Deutsche.
Das Kreuzfahrtschiff war am 1. April im argentinischen Ushuaia zu einer Atlantik-Kreuzfahrt aufgebrochen. Nach Angaben des Veranstalters Oceanwide Expeditions starb am 11. April der erste Passagier, ein Niederländer. Seine Frau verlies am 24. April mit anderen Passagieren auf der Insel St. Helena im Südatlantik das Schiff, flog nach Johannesburg und starb dort am 26. April in einem Krankenhaus. Am 2. Mai starb auf der Hondius eine Passagierin aus Deutschland.
Die WHO vermutet, dass sich der zuerst verstorbene Niederländer mit dem Hantavirus infizierte, bevor er an Bord des Kreuzfahrtschiffs ging. Nach Angaben des argentinischen Gesundheitsministeriums hatte er mit seiner Frau seit Ende November Argentinien, Chile und Uruguay bereist.
Hantaviren werden üblicherweise über die Ausscheidungen von Nagetieren
übertragen und lösen meist schwere Atemwegserkrankungen aus. Laut WHO
ist eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung in seltenen Fällen möglich –
beispielsweise bei dem in Südamerika verbreiteten Andes-Virusstamm, der
bei mehreren Fällen auf der Hondius nachgewiesen wurde.
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