Nach dem spannenden Generationenwechsel 2022 wird an der Spitze des Bayerischen Fußball-Verbandes wieder auf Kontinuität gesetzt. Christoph Kern wurde auf dem 27. Ordentlichen BFV-Verbandstag in Bad Gögging für eine zweite vierjährige Amtszeit bis 2030 im Amt bestätigt. Und das ohne Gegenstimme.
Gegenkandidaten wie bei seiner ersten Wahl hatte der 43 Jahre alte Jurist diesmal nicht. Kern bedankte sich nach dem 100-Prozent-Votum bei den fast 250 klatschenden Delegierten «für euer Vertrauen». Auf die «vier intensiven Jahre» in der ersten Amtszeit dürften vier weitere folgen.
4.500 Vereine mit 1,8 Millionen Mitgliedern
2022 war Kern ebenfalls in Bad Gögging zum Nachfolger von Rainer Koch gewählt worden. Der über viele Jahre auch im DFB sehr einflussreiche Strippenzieher hatte nach 18 Jahren nicht mehr kandidiert. Kern ist erst der siebte Präsident in der 80-jährigen Geschichte des BFV, der mit 1,8 Millionen Mitgliedern und 4.500 Vereinen der größte Landesverband innerhalb des DFB ist.
«Der Fußball ist mit weitem Abstand die wichtigste Sportart in Bayern – und wir sind stolz darauf, dass wir ein Fußballland sind», sagte Innenminister Joachim Herrmann, der in Bayern auch für den Sport zuständig ist, als Gastredner.
DFB-Chef: Dieser Verband ist sehr lebendig
«Die Arbeit, die hier in Bayern geleistet wird, ist beeindruckend. Das weiß man vorher, aber wenn man es hier wirklich nochmal live und in Farbe erlebt, wie viele Menschen sich hier engagieren, da zeigt sich, dass dieser Verband sehr lebendig ist», sagte der eigens angereiste DFB-Präsident Bernd Neuendorf.
Der 64-Jährige sorgte für Lacher der Delegierten, als er zu Beginn seiner Rede erst einmal Kern korrigieren musste: «Eine Kleinigkeit ist in der Vorbereitung schiefgelaufen, lieber Christoph. Nämlich, dass du mich als Westfalen titulierst, obwohl ich Rheinländer bin.»
Keine «Schnell-schnell-Lösung» bei der Regionalliga-Reform
Ein Streitthema im Amateurfußball wurde an den zwei Tagen auch immer mal wieder angeschnitten. Kern bekräftigte, dass Bayern bei der seit Jahren diskutierten Regionalliga-Reform eine überstürzte Kompromisslösung ablehnt. «Es geht uns um die bestmögliche Lösung – und nicht um eine Schnell-schnell-Lösung, die wir später bereuen werden», sagte er.
Im Kern geht es darum, dass es in Deutschland fünf Regionalligen gibt, aber nur vier Aufsteiger in die 3. Liga. Das soll sich ändern. «Jeder Einzelne sieht den Reformbedarf bei der Regionalliga. Ja, Meister müssen aufsteigen», betonte Neuendorf. Er sei auch nicht erfreut gewesen über jede Meinungsäußerung aus Bayern, äußerte der DFB-Chef. «Im Kern arbeiten wir gut zusammen», bemerkte Neuendorf in einem süffisanten Wortspiel, das im Saal Schmunzeln auslöste.
Verschiedene Modelle liegen auf dem Tisch. Eine Arbeitsgruppe hatte sich für eine viergleisige vierte Liga ausgesprochen, in einem Kompass- oder einem Regionen-Modell. Bei Letzterem würden aus den Regionalligen Nord, Nordost und Bayern zwei Staffeln gebildet. Kern stellte klar, dass sich Bayern «nicht schnell, schnell von außen zu einer Entscheidung drängen» lassen werde.
Das neue Präsidium
Viel Applaus gab es für die erfolgreiche Umsetzung des rund 40 Millionen Euro teuren Neubaus «Brienner Gärten» im Hinterhof des «Hauses des Fußballs» des BFV in München. Zeitlich und finanziell gelang eine Punktlandung bei dem ambitionierten Investitionsprojekt. «Ich melde Vollzug», sagte der einstimmig wiedergewählte Schatzmeister Jürgen Faltenbacher aus Waldsassen.
Neu ins Präsidium gewählt wurde als Vizepräsident Thomas Graml (Regensburg). Die Delegierten bestätigten die Vizepräsidentinnen Silke Raml (Cham) und Inge Pirner (Röthenbach) ebenso wie die Vizepräsidenten Robert Schraudner (München) und Jürgen Pfau (Frankenwinheim). Auch der 67 Jahre alte Rainer Koch, der dem Präsidium als Ehrenpräsident angehört, schaute und hörte an den zwei Tagen im Kurort Bad Gögging aufmerksam zu.
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