Nachdem
Bayern München das Spiel gegen Paris verloren hatte, gab es am Mittwochabend im
ZDF sehr spät noch Joschka Fischer in der Talkshow von Markus Lanz – wie um den
Abend endgültig in Moll abzurunden und die Erschöpften an den Fernsehgeräten
mit einem nostalgischen Wort zum Donnerstag ins Bett zu schicken, wo sich auch
nach Fischer/Lanz keine tröstliche Wärme ausbreitete. Joschka Fischer war
zwischen 1998 und 2005 Bundesaußenminister, kein ganz schlechter, er war
außerdem ein scharfzüngiger, manchmal sogar renitenter Parteipolitiker, der
niemals Angst hatte, irgendwo anzuecken, immer für eine Überraschung gut,
durchsetzungsstark und eitel, ein kleines bisschen linksradikal, aber nie ein
echter Grüner, kurz: Er ist mal ziemlich interessant gewesen. Heute ist er 78
und hat sich – so ist die mediale Welt – zu einem Warner und Mahner entwickelt,
ins obligate Polit-Orakel verwandelt, wie so viele aus seiner Generation.