
Außenminister Johann Wadephul (CDU) ist in Athen mit seinem griechischen Amtskollegen Giorgos Gerapetritis und mit Regierungschef Kyriakos Mitsotakis zusammengekommen. Bei den Gesprächen am Montag ging es unter anderem um Rüstungskooperation. Auf dem Programm des eintägigen Besuchs stand zudem eine Besichtigung der größten Werft Griechenlands sowie einer Firma, die Satellitentechnik zur Bekämpfung und Überwachung von Waldbränden anbietet.
Wadephul teilte nach seinem Gespräch mit Gerapetritis mit, beide Länder hätten eine „Partnerschaft für eine strategische Kooperation“ beschlossen. Er bezeichnete Griechenland als „strategischen Anker“. Die Sicherheit Europas müsse unter anderem in Griechenland „an der strategisch wichtigen EU-Außengrenze und der Südostflanke der NATO im Mittelmeer“ verteidigt werden. Deutschland wolle auch deshalb die Rüstungskooperation mit Griechenland „deutlich ausbauen“, so der Minister.
Zum angekündigten Teilabzug amerikanischer Truppen aus Deutschland gab sich Wadephul optimistisch, dass die konventionelle Abschreckungsfähigkeit der NATO in Europa dadurch nicht beeinträchtigt werde. Es gelte aber, eigene Fähigkeiten schneller zu entwickeln und bereitzustellen. Daran führe kein Weg vorbei. Zudem müsse Deutschland im engen Dialog mit Washington klären, welche Entscheidungen bereits endgültig seien und wie die Bundesregierung darauf noch Einfluss nehmen könne.
Wadephul: Iran muss an den Verhandlungstisch zurückkehren
Auch zu einem anderen weltpolitischen Thema äußerte sich der deutsche Minister in Athen: Er habe dem iranischen Außenminister Abbas Araghchi in einem Telefonat am Sonntag gesagt, Teheran müsse an den Verhandlungstisch zurückkehren und erkennen lassen, dass Iran auf eine nukleare Bewaffnung verzichten werde: „Hier unterstützt Deutschland vollständig die amerikanische Verhandlungsposition“, so der Minister.
Auch die Gespräche in Griechenland waren stark von militärischen Themen geprägt. Ähnlich wie Deutschland investiert auch Griechenland derzeit massiv in seine Streitkräfte. Wegen des angespannten Verhältnisses zur Türkei waren die Rüstungsausgaben in dem Mittelmeerstaat allerdings in früheren Jahren schon hoch.
Wadephul hatte vor seiner Abreise nach Athen darauf verwiesen, dass für eine Zusammenarbeit Deutschlands und Griechenlands auch die Möglichkeiten zu einer gemeinsamen Beschaffung von Rüstungsgütern und europäischer Finanzierung genutzt werden sollten. Griechenland hat bei der Beschaffung neuer Waffen in jüngster Zeit vor allem die Kooperation mit Frankreich, den USA und Israel gesucht. Allerdings hat auch die deutsche Rüstungsindustrie Aufträge erhalten. So soll ThyssenKrupp Marine Systems vier U-Boote der griechischen Marine modernisieren.
„Glaubhafte Perspektiven“ für EU-Beitrittskandidaten gefordert
Thema von Wadephuls Gesprächen in Athen sollte zudem die Erweiterung der Europäischen Union sein. Als Nachbar von zwei nach EU-Mitgliedschaft strebenden Staaten des Westlichen Balkans – Nordmazedonien und Albanien – setzt sich Athen besonders für die Erweiterung ein. Wadephul sagte dazu, den Westbalkanstaaten, aber auch der Ukraine müssten „glaubhafte Perspektiven“ für einen Beitritt geboten werden.
Griechenland komme dabei eine besondere Rolle zu, da es im zweiten Halbjahr 2027 die EU-Ratspräsidentschaft in einer „entscheidenden Phase“ übernehme. Montenegro, der derzeit am weitesten fortgeschrittene Kandidat, hofft nach Darstellung seiner politischen Führung darauf, bereits 2028 als Vollmitglied beitreten zu können.
Wadephuls Reise findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem das deutsch-griechische Verhältnis durch einen neu aufgeflammten Geschichtsstreit geprägt wird. Zu Jahresbeginn an die Öffentlichkeit gelangte historische Fotos einer Erschießung von 200 Griechen durch deutsche Besatzungstruppen im Jahr 1944 haben in Griechenland eine breite Debatte ausgelöst. Eine für die vergangene Woche geplante Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung zu den Fotos wurde nach Drohungen abgesagt.
