
In einer ganz ähnlichen Position ist auch die Videospielekette Gamestop, die darunter leidet, dass Videospiele mehr und mehr online gekauft werden.
Waghalsiges Manöver des kleineren Akteurs
Sowohl bei Ebay als auch bei Gamestop gab es allerdings in jüngster Zeit Anzeichen für eine Erholung. Ebay versucht, sich stärker von Amazon abzugrenzen, und setzt mehr auf Nischenmärkte, beispielsweise Secondhand-Mode oder Produkte zum Sammeln. Das scheint auch zu funktionieren. Ebay bleibt zwar im Vergleich zu Amazon ein Zwerg, hat aber zuletzt wieder beachtliche Wachstumsraten ausgewiesen. Gamestop ist zwar noch immer auf Schrumpfkurs, aber nach einigen verlustreichen Jahren wieder profitabel.
Jetzt hat Gamestop ein Übernahmeangebot für Ebay abgegeben. Es ist ein waghalsiges Manöver, Ebay ist erheblich größer als Gamestop. Ein Zusammenschluss hätte eine gewisse Logik. Es gibt Überschneidungen im Geschäft, etwa im Verkauf von Sammelkarten. Und es wäre gut vorstellbar, dass das Ladennetz von Gamestop Ebay in mancherlei Hinsicht helfen könnte. Gleichwohl gibt es berechtigte Zweifel am Zustandekommen der Übernahme. Allein die Finanzierung einer solchen Transaktion scheint ungewiss, und Gamestop-Vorstandschef Ryan Cohen ist bekannt dafür, sehr dick aufzutragen.
Es ist noch unklar, wie Ebay auf das Kaufangebot reagieren wird, und es ist gut vorstellbar, dass Cohen mit seinem Vorstoß erst einmal abblitzt. Ebay mag den Übernahmeversuch nicht willkommen heißen, aber er hat womöglich auch eine gute Seite. Dass Ebay nun als Kaufkandidat dasteht, muss nicht zwangsläufig als Zeichen von Schwäche gewertet werden. Es lenkt auch den Blick darauf, dass das Unternehmen nach schwierigen Jahren wieder auf dem Wege der Besserung scheint. Ohne Zweifel hat Ebay in jüngster Zeit zumindest zarte Fortschritte gemacht, eine neue Identität zu finden.
