Dschihadisten und Tuareg-Rebellen haben nach Kidal eine weitere Kommune im Norden Malis eingenommen. Videos aus Tessalit, einem wichtigen Militärstützpunkt an der Grenze mit Algerien, zeigten begeisterte bewaffnete Kämpfer auf Pickup-Fahrzeugen, die mit Handys ihre jüngste Eroberung festhielten. Das malische Militär und Kämpfer des russischen Afrikakorps, das dem Verteidigungsministerium in Moskau unterstellt ist, hatten sich Medienberichten zufolge schon vorher zurückgezogen. Sie hätten den Ort kampflos den bewaffneten Gruppen überlassen, schrieb der französische Auslandssender RFI.
Die Terrororganisation „Gruppe zur Unterstützung des Islams und der Muslime“ (JNIM), ein Ableger von al-Qaida, und die Rebellenorganisation „Azawad-Befreiungsfront“ (FLA), erhöhten auch in der Hauptstadt Bamako im Süden den Druck, die seit 2020 regierende Militärregierung zu stürzen. Vor wenigen Tagen hatten sie gedroht, „niemand“ werde mehr in die Stadt gelassen. Mittlerweile sind mehrere Versorgungsrouten durch Straßensperren der Aufständischen blockiert.
„Chaotisches Vakuum verhindern“
Schon im vergangenen Jahr hatte die JNIM fast zwei Monate lang die Millionenmetropole von Treibstofflieferungen weitgehend abgeschnitten und mehr als 100 Tanklastwagen in die Luft gesprengt. „Wir rufen alle echten Patrioten, ohne Ausnahme, dazu auf, sich zu vereinen“, hieß es in einer Mitteilung der FLA, „die Militärregierung zu stürzen reicht nicht. Wir müssen gemeinsam ein chaotisches Vakuum verhindern, das unsere Nation in den totalen Kollaps stürzen würde“.
Die Islamisten und die Rebellen haben sich jüngst in einem Zweckbündnis zusammengeschlossen und vor gut einer Woche eine genau koordinierte Anschlagsserie quer durch das Land verübt. Bei einem Anschlag in der Garnisonsstadt Kati in der Nähe von Bamako wurde der malische Verteidigungsminister Sadio Camara durch die Explosion einer Autobombe vor seinem Haus getötet. Drohnenbilder zeigten völlig zerstörte Gebäude.
Fotos mit russischem Botschafter
Außerdem gelang es den Aufständischen, Kidal im hohen Norden zu erobern. Die Stadt war 2012 kurzzeitig in den Griff islamistischer Gruppen geraten, bevor das französische Militär im Rahmen der „Operation Serval“ im Januar 2013 Kidal und mehrere andere Städte befreite. Danach blieb die Stadt faktisch unter der Kontrolle von Tuareg-Rebellen, bis sie russische Kämpfer und malische Soldaten 2023 zurückeroberten. Es war der größte militärische Erfolg der neuen malischen Militärregierung und ihrer russischen Verbündeten.

Die durch zwei Putsche an die Macht gelangte Regierung hatte das 2015 zwischen der damaligen malischen Regierung und den Rebellen geschlossene Friedensabkommen von Algier aufgekündigt, die Beziehungen zur früheren Kolonialmacht Frankreich beendet und ihren Ausstieg aus der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft verkündet. Schon vorher hatten sich die drei von Militärregierungen geführten Nachbarstaaten – Mali, Burkina Faso und Niger – zur „Allianz der Sahel-Staaten“ zusammengeschlossen.
Ein Sprecher der russischen Regierung teilte kürzlich mit, die russischen Einsatzkräfte blieben in Mali, um „Extremismus, Terrorismus und andere schädliche Phänomene“ zu bekämpfen. Die malische Regierung veröffentlichte Fotos in den sozialen Medien, auf denen der malische Staatschef Assimi Goïta und der russische Botschafter in Mali zu sehen waren. Auch die Nachbarstaaten Burkina-Faso und Niger bekundeten ihre Unterstützung der malischen Regierung.
