Der Himmel über Worms-Herrnsheim ist an diesem Wintermorgen genauso düster wie die Stimmung von Thomas Schäfer. Der 39-Jährige, fester Händedruck, ernste Miene, ist der größte Fassweinproduzent Rheinhessens. Er baut Trauben für andere an und verkauft Wein tankwagenweise an Kellereien, die sie dann für den Handel in Flaschen abfüllen. Sechs Millionen Liter waren es im vergangenen Jahr.
Lange Zeit lautete Schäfers Strategie: wachsen. In den vergangenen 15 Jahren hat er Weinberge dazugepachtet, die dicht beieinanderlagen, und so seine Anbaufläche auf 500 Hektar fast verdoppelt. Er hat Piwis angebaut, das steht für pilzwiderstandsfähige Weinsorten, die 80 Prozent weniger Pflanzenschutzmittel benötigen. Damit konnte er kostengünstiger produzieren als andere. »Aber jetzt sind die Weinpreise verdammt niedrig, sie sind so tief wie seit den Neunzigerjahren nicht mehr«, sagt er. Nun wird die Größe zum Problem: Schäfer muss schauen, dass er seine Mengen überhaupt noch zu einem rentablen Preis loswird. »Wir tun gerade alles, um am Markt zu überleben«, sagt er.
