
Kurz vor 23 Uhr wurde es dunkel an der Copacabana. Am Nachthimmel erschienen leuchtende Drohnen, die ein Augenpaar bildeten. Es waren Shakiras Augen. Hunderttausende brachen in Jubel aus, begannen ihren Namen zu schreien. Minuten später erschien der kolumbianische Superstar auf der Bühne und begann mit dem Song „La Fuerte“ die größte Show ihrer Karriere. Schätzungsweise bis zu zwei Millionen Menschen waren nach Rio an die Copacabana gepilgert, um das Gratis-Konzert von Shakira zu sehen. Millionen Brasilianer schauten sich das Spektakel derweil im Fernsehen an. Brasiliens größter Fernsehsender TV Globo übertrug die gigantische Show live und kostenlos in alle Haushalte des Landes.
400 brasilianische Shakiras
Zwischen Brasilien und Shakira herrscht eine Liebesbeziehung. Sie habe sich schon in Brasilien verliebt, als sie zum ersten Mal im Land aufgetreten sei, sagte sie der Masse in akzentfreiem Portugiesisch. Das war vor dreißig Jahren, im Alter von 18 Jahren, vor knapp 700 Zuschauern im Theater der Amazonasmetropole Manaus. Seither hat sie eine ganze Generation geprägt. Dass es in Brasilien laut Daten der letzten Volkszählung fast 400 Frauen mit dem Namen Shakira gibt, spricht für sich. Die meisten sind heute um die 20 Jahre alt. Gut möglich, dass einige von ihnen am Samstag mit ihren Müttern irgendwo im Menschenmeer an der Copacabana waren.
Sie bekamen eine über zweistündige Show mit viel Rhythmus und Tanz geboten, einen ausführlichen Streifzug durch die Karriere des wohl größten lateinamerikanischen Musikexports aller Zeiten, von den ersten Durchbrüchen bis hin zu den weltberühmten Hits. Mehrmals teilte sich Shakira die Bühne mit brasilianischen Musikgrößen wie den Geschwisters Caetano Veloso und Maria Betânia, mit Ivete Sangalo und Popstar Anitta. Selbst die Sambaschule Unidas da Tijuca erwies ihr die Ehre.
Shakiras Choreografie nahm die gesamte Bühne in Anspruch, die mit 1500 Quadratmetern die Konstruktionen von Madonna und Lady Gaga übertraf, die in den Jahren zuvor an derselben Stelle jeweils ebenfalls vor mehr als einer Million Fans aufgetreten waren. Ein 25 Meter langer Steg brachte Shakira noch näher an den Bruchteil der Zuschauer in den vordersten Reihen heran. Ein massiver LED-Bildschirm von 680 Quadratmetern strahlte alles überdimensional über den Strand. 16 Ton- und Videotürme an der Copacabana sicherten die Übertragung an die weiter entfernten Massen.
Tödlicher Unfall beim Aufbau
Der Aufbau der komplexen Bühnenstruktur wurde von einem Unfall überschattet, bei dem vor einer Woche ein Bühnenarbeiter tödlich verunglückte. In einer Mitteilung teilten Organisatoren mit, Shakira sei mit ihnen in Kontakt getreten, als sie vom Vorfall erfahren habe, und habe sich zutiefst betroffen gezeigt. Die Behörden haben indes Ermittlungen wegen möglicher Verstöße gegen Arbeitsschutzregeln aufgenommen.
Am Konzert selbst kam es nach bisherigen Angaben zu keinen gravierenden Vorfällen. Um die Sicherheit zu gewährleisten, waren über 1800 Polizeibeamte sowie 400 Spezialkräfte im Einsatz, unterstützt durch Drohnen und 78 über den Strand verteilte Sicherheitstürme. Die US-Botschaft in Brasilien hatte amerikanische Touristen vor dem Konzert gewarnt, keine Wertgegenstände auf sich zu tragen und keine Getränke von Fremden anzunehmen.
Auch die Reinigung wurde akribisch geplant. 2000 Reinigungskräfte sowie über 100 Spezialfahrzeuge sorgten dafür, dass die Avenida Atlântica und der Strand unmittelbar nach der Show gesäubert wurden. Bei der logistischen Planung konnte die Stadt auf ihre Erfahrung mit den jährlichen Silvesterfeiern an der Copacabana und anderen Großevents in der Stadt zurückgreifen.
Madonna, Lady Gaga und nun Shakira. Rio de Janeiros Marketing-Konzept, Weltstars für kostenlose Konzerte an der Copacabana zu verpflichten, hat sich ein weiteres Mal bewährt. Umgerechnet mehr als zwei Millionen Euro haben die Stadt und die Veranstalter für den Event ausgegeben. Im Gegenzug flossen durch das Konzert schätzungsweise Einnahmen in der Höhe von rund 150 Millionen Euro in die lokale Wirtschaft. Zehntausende Touristen aus dem Ausland und Brasilien füllten die Hotels und Restaurants. Schwer zu beziffern ist der Marketingwert des Megaevents, mit dem die Stadt am Zuckerhut ihrem Ruf als Musik- und Partymetropole alle Ehre machte.
