Sergej Lawrow versteht es, seine Verachtung in geschliffene Worte zu gießen. Als russischer Außenminister tut er das immerhin seit 22 Jahren. Egal, ob es um den Ukrainekrieg geht, um die westlichen Sanktionen gegen Moskau – oder um Conchita Wurst alias Tom Neuwirth. Jenen Mann, der 2014 in Kopenhagen den Eurovision Song Contest (ESC) gewann. Und deshalb bis heute eine überraschend prominente Rolle in der russischen Propaganda spielt.

Als der Außenminister Lawrow im vergangenen Jahr auf einer Pressekonferenz über den ESC sprach, ätzte er mit der feinen Klinge eines Chefdiplomaten: Er werde sicher niemandem verbieten, die Veranstaltung zu schauen. Dabei stehe es der Jury und den Zuschauern natürlich auch zu, »für einen bärtigen Mann im Frauenkleid« zu stimmen. Nur: In Russland werde es das nicht geben.