
Nicht nur die deutschen Autokonzerne, sondern auch Chinas aufstrebende Hersteller kämpfen mit stark sinkenden Margen. Alle großen chinesischen Autohersteller verzeichneten zweistellige Rückgänge ihrer Nettogewinne im Vergleich zum ersten Quartal 2025. Der Preiskampf auf dem chinesischen Markt und die starke Zurückhaltung chinesischer Kunden nach einer Senkung der Subventionen hinterlässt Spuren in den Bilanzen. Im Branchendurchschnitt ist die Marge auf unter drei Prozent gefallen. Als weiteres Risiko entpuppt sich für die Unternehmen aufgrund des rasant wachsenden Exports der Wechselkurs.
Besonders hart traf es BYD, den weltgrößten Hersteller von Elektroautos, und Changan. Der Nettogewinn des Staatskonzerns aus Chongqing brach um drei Viertel auf nur noch 0,35 Milliarden RMB (rund 44 Millionen Euro) ein, der Umsatz gab leicht um vier Prozent nach. BYDs Nettogewinn sank um 55 Prozent von 9,5 Milliarden RMB (umgerechnet rund 1,2 Milliarden Euro) auf 4,1 Milliarden RMB (0,5 Milliarden Euro). Es war der vierte Quartalsrückgang in Folge. Auch der Umsatz büßte gegenüber dem Vorjahresmonat um knapp ein Achtel auf noch 150 Milliarden RMB ein, knapp 19 Milliarden Euro. BYD steckt seit dem Sommer vergangenen Jahres in einer handfesten Absatzkrise in der Volksrepublik und wird immer abhängiger vom Export. Inzwischen geht fast jedes zweite BYD-Fahrzeug ins Ausland. Im ersten Quartal büßte der Absatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um mehr als 30 Prozent ein.
Wechselkurs hat starken Einfluss
Andere Hersteller traf es nicht ganz so hart. Der Mehrmarkenkonzern Geely aus Hangzhou, in Europa als Großaktionär von Mercedes und Eigentümer von Volvo bekannt, erzielte einen Nettogewinn von knapp 4,2 Milliarden RMB, rund 520 Millionen Euro. Das bedeutete ein Minus von 27 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2025. Geely hatte BYD zuletzt beim Absatz überholt, der Aktienkurs des Unternehmens hat seit Anfang März um mehr als die Hälfte zugelegt. Der Staatskonzern Chery aus Wuhu, seit zwei Jahrzehnten der exportstärkste Autohersteller Chinas, verdiente zehn Prozent weniger und kam damit ebenfalls auf knapp 4,2 Milliarden RMB. Der Umsatz sank um 3,4 Prozent.
Das Beispiel Geely zeigt, wie stark sich der Wechselkurs auf die Gewinne der chinesischen Autokonzerne auswirkt. Ohne die starken Schwankungen der chinesischen Währung hätte Geelys Nettogewinn um ein Drittel zugelegt. Für andere Konzerne war der Einfluss nicht ganz so stark, er trug aber in allen Fällen zu einer erheblichen Verschlechterung des Nettogewinns bei. Cui Dongshu, Generalsekretär des chinesischen Autoverbandes CPCA, empfahl den Unternehmen, sich künftig stärker gegen Währungsschwankungen abzusichern.
Ursache für die starken Schwankungen ist vor allem der Irankrieg. Dieser treibt aber aufgrund des Ölpreisanstiegs gleichzeitig die Nachfrage nach chinesischen Elektroautos an und ist damit Fluch und Segen zugleich. Die vier größten chinesischen Autoexporteure BYD, Chery, SAIC und Geely haben ihre Ausfuhren im ersten Quartal allesamt verdoppelt. Insgesamt gingen in den ersten drei Monaten mehr als 2,3 Millionen Fahrzeuge ins Ausland, ein Plus von knapp einem Drittel.
Die Konzerne retten sich in den Export, weil der Absatz innerhalb Chinas stark schwächelt. „Das Verkaufsvolumen im Heimatmarkt hat sich noch nicht vom Auslaufen der Steueranreize erholt“, sagte Geely-Geschäftsführer Gui Shengyue. Seit Anfang des Jahres müssen chinesische Autokäufer fünf Prozent Umsatzsteuer auf Autos zahlen, davor war diese komplett entfallen. Die Autoverkäufe gaben daraufhin gegenüber dem ersten Quartal des Vorjahres um ein Fünftel nach. Für das Gesamtjahr halten Beobachter nun für möglich, dass der größte Automarkt der Welt stagniert oder sogar schrumpft.
