
Die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi ist Myanmars staatlicher Presse zufolge aus dem Gefängnis in den Hausarrest verlegt worden. Der Machthaber des Landes, Präsident Min Aung Hlaing, habe die verbleibende Haftstrafe der 80 Jahre alten Politikerin in einen Hausarrest umgewandelt, berichteten zahlreiche Medien übereinstimmend.
Darüber hinaus soll das Regime ihrem Anwalt zufolge die Strafe zum zweiten Mal innerhalb von nur zwei Wochen reduziert haben. Demnach verbleiben von ihrer ursprünglich auf 33 Jahre angesetzten Haftstrafe noch 18 Jahre. Ihr genauer Aufenthaltsort nach der Verlegung war zunächst unklar. Zuvor soll sie in der Hauptstadt Naypyidaw im Gefängnis gesessen haben.
Der Sender MRTV veröffentlichte zudem ein Foto der Politikerin. Das Bild wäre das erste Lebenszeichen der früheren Staatsrätin seit langem. Ihr in Großbritannien lebender Sohn Kim Aris sagte der britischen BBC jedoch, das Bild stamme aus dem Jahr 2022. Dem Bericht zufolge hat die Familie seit drei Jahren keinen Kontakt zu ihr gehabt, ihre Anwälte seit zwei Jahren. Es gab dem Sohn zufolge Zweifel daran, ob sie überhaupt noch am Leben ist.
Bereitet das Militär Suu Kyis Freilassung vor?
Zudem machte sich die Familie Sorgen um ihren Gesundheitszustand. Aris erklärte, er habe bisher keine Beweise gesehen, die die Verlegung bestätigten. Er werde es erst glauben, wenn er direkt mit ihr kommunizieren könne.
Das zuvor letzte bekannte Bild von ihr stammte von einem Gerichtsprozess aus dem Jahr 2021. Es zeigte sie neben dem früheren Präsidenten Win Myint, der bis zur Machtergreifung des Militärs mit ihr zusammen Myanmars Zivilregierung angeführt hatte. Win Myint war vor zwei Wochen bei einer Massenamnestie aus dem Gefängnis entlassen worden.
Das Gericht hatte Suu Kyi damals aufgrund von vermeintlicher Korruption und anderen Vergehen zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Menschenrechtler kritisierten den Prozess als politisch motiviert. Sie glauben, dass die Regierung mit der Verlegung Suu Kyis ihr Image aufbessern möchte. Sie halten es für möglich, dass die Regierung, die in vielen Landesteilen einen brutalen Bürgerkrieg zulasten der Zivilbevölkerung führt, möglicherweise ihre Freilassung vorbereitet.
