
Die internationale Jury der 61. Biennale von Venedig ist zurückgetreten. Dies geht aus einer Mitteilung der Biennale hervor, die am Donnerstag, nach dem Besuch der Inspektoren des Kulturministeriums in den Räumen der Biennale-Stiftung, veröffentlicht wurde.
Die Entscheidung fiel nach einem Treffen zwischen den Mitgliedern der Jury und dem Präsidenten der Stiftung, Pietrangelo Buttafuoco, berichtet die italienische Zeitung „Corriere della Sera“.
Die Löwen werden künftig vom Publikum vergeben
„Mit Wirkung zum 30. April 2026 haben wir, die von Koyo Kouoh, der künstlerischen Leiterin der 61. Ausgabe der Biennale von Venedig, ausgewählte internationale Jury, unseren Rücktritt eingereicht. Wir tun dies in Übereinstimmung mit unserer am 22. April 2026 veröffentlichten Absichtserklärung“, heißt es in der Mitteilung.
Die Entscheidung folgte auf Wochen voller Spannungen um die Wiedereröffnung des russischen Pavillons und die Anwesenheit israelischer Künstler. Am 22. April hatte die fünfköpfige Jury unter dem Vorsitz der Kunsthistorikerin Solange Farkas erklärt, Länder, deren politische Führung vom Internationalen Strafgerichtshof wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt ist, nicht zu berücksichtigen. Konkret gemeint waren damit Russland und Israel.
Die Biennale von Venedig hat nach dem heutigen Rücktritt der Jury beschlossen, die Vergabekriterien für den Goldenen und den Silbernen Löwen grundlegend zu ändern. Es werden zwei Publikums-Löwen eingeführt, die von den Besuchern der Ausstellung gewählt werden. Die Preisverleihung wird vom 9. Mai auf den 22. November verschoben, den letzten Tag der Veranstaltung. Die Löwen sollen dem besten Teilnehmer der Ausstellung und der besten nationalen Beteiligung gewidmet werden. Um letzteren, so heißt es in der Mitteilung der Biennale, können sich alle Pavillons bewerben, also auch Russland und Israel. Der Entschluss von Biennale-Präsidenten Pietrangelo Buttafuoco soll nicht mit Italiens Kulturminister Alessandro Giuli abgestimmt worden sein, berichtet der „Corriere della Sera“.
Die 61. Kunstbiennale wird wie geplant am kommenden 9. Mai ihre Pforten für die Besucher öffnen. Die offizielle Zeremonie wurde abgesagt.
