
Der amerikanische Elektroautohersteller Rivian weist bislang hohe Verluste aus, aber sein Gründer und Vorstandschef Robert Joseph („RJ“) Scaringe dürfte zu einem der bestbezahlten Manager der Welt gehören. In einer Mitteilung des Unternehmens an die Börsenaufsicht SEC wurde der Wert seines Gehalts für das vergangene Jahr auf 402,6 Millionen Dollar beziffert. Und dies ist nur Teil eines viel größeren Gehaltspakets, das ihm im vergangenen November gewährt wurde und innerhalb von zehn Jahren einen Wert von 4,6 Milliarden Dollar haben könnte.
Das Gehaltspaket ist an das Erreichen bestimmter Meilensteine geknüpft, etwa mit Blick auf den Gewinn und den Aktienkurs. Rivian beschreibt es in seiner Mitteilung als „völlig leistungsabhängig“. Allerdings hat das Unternehmen die Messlatte für Scaringe deutlich niedriger gelegt als bei seinem vorherigen Gehaltspaket, das 2021 beschlossen wurde. Damals wurden Meilensteine für den Aktienkurs bis zu 295 Dollar festgesetzt, diesmal liegen sie bei bis zu 140 Dollar. Rivian schreibt, die Ziele in der früheren Gehaltsvereinbarung seien aus heutiger Sicht unwahrscheinlich, deshalb stellten sie einen „Mangel an Anreiz“ dar. Rivian ist im Herbst 2021 an die Börse gekommen, und damals erreichte die Aktie einen Höchststand von 172 Dollar. Heute liegt der Kurs nur noch bei rund 16 Dollar.
Scaringes Gehalt für das vergangene Jahr besteht größtenteils aus variablen Komponenten. Neben einem kleinen Jahresbonus von rund einer Million Euro erhält er als längerfristige Vergütungsbestandteile Aktienprämien im Wert von 26,6 Millionen Dollar und vor allem Aktienoptionen im Zeitwert von 373,5 Millionen Dollar. Sein Festgehalt betrug knapp 1,2 Millionen Euro.
Fast 50-mal mehr als der VW-Chef
Scaringe hat Rivian 2009 gegründet. Als das Unternehmen 2021 an die Börse kam, hofften viele Anleger, ein neues Tesla gefunden zu haben. Scaringe war nach dem Börsengang schon kurzzeitig Milliardär, der promovierte Maschinenbauer verlor den Status aber bald wieder. Rivian hat für 2025 einen Nettoverlust von 3,6 Milliarden Dollar ausgewiesen. Das Unternehmen hofft aber, mit der baldigen Einführung seines neuen Modells R2 das finanzielle Bild erheblich aufhellen zu können. Erst vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass der Fahrdienst Uber bis zu 1,25 Milliarden Dollar in Rivian investieren will.
Rivian kooperiert seit einiger Zeit auch mit Volkswagen. Gemeinsam wollen beide Elektronik und Software für künftige Elektrofahrzeuge entwickeln. Volkswagen hofft, mithilfe aus dem Silicon Valley einen Teil seiner digitalen Probleme zu beheben. Im Herbst 2024 wurde das Gemeinschaftsunternehmen Rivian Volkswagen Group Technologies gegründet. Volkswagen-Chef Oliver Blume dürfte derweil mit Erstaunen auf das riesige Gehaltspaket seines Partners blicken. Obwohl Volkswagen viel größer ist, verdiente Blume im vergangenen Jahr laut Vergütungsbericht einschließlich Versorgungsaufwendungen lediglich 7,4 Millionen Euro, das entspricht knapp 8,7 Millionen Dollar. Der Rivian-Gründer verdient damit fast das 50-Fache.
Der Fall Rivian zeigt ein weiteres Mal, welche Welten zwischen Amerika und Europa liegen, wenn es um Managergehälter geht – insbesondere wenn Gründer beteiligt sind. Im November haben die Aktionäre von Tesla Elon Musk ein Gehaltspaket gewährt, das sich im Extremfall auf eine Billion Dollar addieren könnte.
