
Eine Kolonnade mit weißer Säulenreihe führt auf einen neoklassizistischen, mehrgeschossigen Granitbau mit Dreiecksgiebel. Nordkoreas neue Gedenkstätte für seine im Ukrainekrieg gefallenen Soldaten ist ein weiteres Werk monumentaler Machtarchitektur in Pjöngjang. Diktator Kim Jong-un weihte das Werk am Sonntag im Beisein des russischen Verteidigungsministers Andrej Beloussow und von Duma-Sprecher Wjatscheslaw Wolodin ein.
Die Staatsmedien veröffentlichten am Montag Bilder von angeblichen Angehörigen der Gefallenen, die in der Gedenkhalle die sterblichen Überreste von Soldaten in nummerierten Regalfächern ablegen, deren Zahl die 1700 übersteigt. Das bestätigt Schätzungen des südkoreanischen Sicherheitsapparats, der von mindestens zweitausend nordkoreanischen Gefallenen ausgeht, die an der Seite Russlands gegen die Ukraine gekämpft haben.
Kim bekräftigte seine Allianz mit Moskau und pries eine „neue, in Blut geschriebene Geschichte der Freundschaft mit Russland“. Die Stätte sei wie eine „große Festung, in der die Seelen der Loyalisten und die Herzen voller Liebe zum Vaterland hochschlagen“. Sie verleihe den „gefestigten Beziehungen zwischen der Demokratischen Volksrepublik Korea und Russland ewige Lebenskraft“.
Weitere Bilder zeigen Kim und seine Staatsgäste vor einem Denkmal mit sieben Soldaten, von denen einer verwundet ist. Ein Zeichen der Opfer, die Nordkorea für Russland erbracht hat und, davon ist auszugehen, für die es Gegenleistungen verlangt.
„Für immer in den Herzen aller russischen Bürger“
Der Zeitpunkt der Einweihung folgt ein Jahr nachdem das russische Regime die Existenz nordkoreanischer Soldaten zugegeben hatte, die Russland im Überfall gegen die Ukraine zur Seite stehen. Ein halbes Jahr lang hatten Russland und Nordkorea diese Zusammenarbeit geleugnet. Nach Einweihung der Gedenkstätte fand jetzt noch einmal eine Beisetzung sterblicher Überreste gefallener Nordkoreaner statt. Neben der Totenhalle zeigten Staatsmedien Bilder einer Ausstellung mit angeblich von Ukrainern erbeuteten Panzerfahrzeugen und Kleinwaffen.
Duma-Sprecher Wolodin verlas einen Brief des russischen Machthabers Wladimir Putin, der die „herausragenden Taten“ der Nordkoreaner hervorhob, die laut Kreml-Mitteilung „für immer in den Herzen aller russischen Bürger weiterleben“.
Der südkoreanische Geheimdienst schätzt, dass mindestens 15.000 Nordkoreaner zunächst zur Rückeroberung der von der Ukraine im August besetzten Region Kursk eingesetzt wurden. Zudem liefert Nordkorea dringend von Russland benötigte Raketen- und Artilleriemunition. Die russische Nachrichtenagentur Tass zitierte Verteidigungsminister Beloussow, Russland sei bereit, einen neuen „russisch-koreanischen Militärkooperationsplan für den Zeitraum 2027 bis 2031“ zu unterzeichnen.
Bislang hat Nordkorea im Gegenzug aus Russland nach südkoreanischen Vermutungen Rüstungstechnologie, Lebensmittel und Treibstoff erhalten. Die neue Nähe zu Putin hat Kims internationale Stellung gestärkt, der seither auch aus China mehr wirtschaftliche Unterstützung erhält, wohl aus Gründen der Machtbalance. Über chinesische Vertreter auf der nordkoreanisch-russischen Gedenkfeier wurde zunächst nichts bekannt.
