
Mit viel Zuversicht sind die Anleger in eine kurze, aber ereignisreiche Woche gestartet. Allein am Mittwoch werden mit der Deutschen Bank, Mercedes, Adidas, Symrise und Porsche fünf Dax-Unternehmen über ihre Geschäfte im ersten Quartal berichten. In den USA werden gut 40 Prozent aller Gesellschaften aus dem Aktienindex Standard & Poor’s ihre Quartalszahlen vorlegen. Und vier große Notenbanken, darunter die amerikanische am Mittwoch und die Europäische Zentralbank am Donnerstag, werden den Anlegern frisches Futter liefern, wie die höheren Energiepreise und brüchigen Lieferketten ihre Inflations- und Zinserwartungen beeinflussen.
Trotz der geopolitischer Spannungen und der sich abkühlenden Konjunktur in Deutschland sind die Anleger positiv gestimmt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex, die wichtigste Umfrage zur Stimmung in deutschen Unternehmen, fiel im April auf das tiefsten Niveau seit März 2020 – das war der Moment, als die Corona-Pandemie ausbrach. Doch von der damals herrschenden Panik an den Kapitalmärkten ist derzeit gar nichts zu spüren – im Gegenteil. Nicht nur die US-Aktienindizes Dow Jones und Nasdaq stehen auf Rekord, zum Wochenauftakt stellten auch die asiatischen Aktienindizes Nikkei in Japan und Kospi in Südkorea neue Höchststände auf.
Bitcoin nähert sich 80.000 Dollar
Die Risikofreude lässt sich auch am Kryptomarkt feststellen. Die Indexfonds, die in Digitalwährungen wie Bitcoin und Ether investieren, haben acht Wochen nacheinander Geldzuflüsse erhalten, allein im April waren es 2,6 Milliarden Dollar. Bitcoin hat wohl auch deshalb seit den Tiefstpreisen im Februar von rund 60.000 Dollar wieder deutlich zugelegt und am Montag einen Wert von fast 80.000 Dollar erreicht.
Am deutschen Aktienmarkt ist die Stimmung nicht ganz so überschwänglich, aber doch gut. Das zeigte sich am Montag an den Geschäftszahlen, die der Windkraftanlagenhersteller Nordex veröffentlichte. Die im Tec-Dax enthaltene Aktie reagierte mit einem Kursgewinn von satten zehn Prozent. Erstmals seit 24 Jahren sprang der Nordex-Kurs auf mehr als 50 Euro. Analysten lobten, Nordex habe die Erwartungen an die Profitabilität klar übertroffen. Berenberg wies auf den rekordhohen Auftragsbestand hin. Das Bankhaus Metzler begründete auch damit, warum es sein Kursziel für Nordex von 39 auf 49 Euro hochsetzte.
In der Deutschen Bank floriert das Geschäft mit reichen Privatkunden
Am Mittwoch wird die Deutsche Bank über ihr erstes Quartal berichten. 13 Aktienanalysten, deren Prognosen das Institut auf seiner Internetseite zusammengefasst hat, erwarten im Durchschnitt einen Nettogewinn in Höhe von knapp 1,8 Milliarden Euro und damit auf Vorjahresquartalsniveau. Für das Gesamtjahr 2026 rechnen diese Analysten mit einem Gewinn von 6,25 Milliarden Euro, nachdem die Deutsche Bank 2025 auf 6,1 Milliarden Euro gekommen war.
Während für die Unternehmenssparte und die Investmentbank im ersten Quartal 2026 leichte Rückgänge im Gewinnbeitrag erwartet werden, dürfte das Privatkundengeschäft zugelegt haben. Sein Vorsteuergewinn, der im ersten Quartal 2025 um 43 Prozent auf 490 Millionen Euro gewachsen ist, soll nach den Prognosen der Analysten im ersten Quartal 2026 auf 668 Millionen Euro geklettert sein. Dies wäre ein weiterer Gewinnanstieg um 36 Prozent. Dieser fußt wahrscheinlich weniger auf dem Massengeschäft der Postbank als auf dem mit reichen Privatkunden. Hier hat dessen Leiter Raffael Gasser, der im November 2024 von der UBS kam, eine stärkere Verzahnung mit der Unternehmenssparte veranlasst, die offenbar Früchte trägt.
Der Deutschen Bank flossen im Jahr 2025 im Privatkundengeschäft auf der ganzen Welt Kundengelder in Höhe von 27 Milliarden Euro neu zu – so viel wie Vermögensverwalter unter den Top Ten in Deutschland wie Metzler oder Julius Bär insgesamt kaum als Kundenbestandsvermögen im Private Banking auf die Waage bringen. Auf diese Bestandsvermögen erhält die Deutsche Bank nun Jahr für Jahr Gebühren. Solange die Kurse an den Finanzmärkten zudem in der Tendenz zulegen, steigen auch so die von der Deutschen Bank verwalteten Kundengelder.
Im Massengeschäft dagegen nimmt der Margendruck zu. Nach der spanischen Bank BBVA hat nun auch der große französische Finanzkonzern Crédit Agricole eine Offensive mit günstigen Zinsangeboten für deutsche Sparer gestartet. Außerdem hat die größte US-Bank J.P. Morgan für das zweite Quartal 2026 nach langer Vorbereitung ihren Markteintritt im Konsumentengeschäft in Deutschland unter dem Namen „Chase“ angekündigt. Das Vorbild in Großbritannien ermutigt.
Nach Angeboten im Kreditkarten- und Zinsgeschäft bietet Chase dank des Kaufes des Robo-Advisors Nutmeg auch ein starkes digitales Wertpapiergeschäft an, das sich mit Revolut, Trade Republic und Scalable Capital messen kann. In Deutschland arbeiten zudem die Sparkassen (S-Neo) und die Genossenschaftsbanken („Zuwachs“) mit neuen Angeboten für wertpapieraffine Kunden. Das bringt für die Kunden viele Vorteile, für etablierte Banken wie die Deutsche Bank indes droht die Gefahr, dass Kunden zu anderen Anbietern abwandern.
Hinzukommt die Gefahr, dass die Notenbanken die Zinsen nicht, wie vor einiger Zeit noch erhofft, weiter senken, sondern im Gegenteil zur Inflationsbekämpfung womöglich bald erhöhen müssen. Das hätte für Banken unterschiedliche Effekte. Derzeit erhöhen sich am Kapitalmarkt die langfristigen Zinsen tendenziell, die Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit rentierte am Montag mit 3,01 Prozent. Solange die Europäische Zentralbank die kurzfristigen Zinsen stabil hält, verdienen viele Banken und Sparkassen gut, indem sie Spareinlagen kaum verzinsen und Kredite langfristiger zu höheren Zinsen ausgeben. Womöglich aber sendet die EZB schon am Donnerstag ein Signal, dass die kurzfristigen Zinsen in Deutschland bald steigen könnten.
