Sparer, die aktuell mit dem Gedanken spielen, in einen ETF-Sparplan zu investieren, könnten keinen schlechten Zeitpunkt getroffen haben. Zumindest wenn es um die Gebühren geht. Es herrscht ein Preiskampf: Neobroker wie Scalable Capital oder Trade Republic bieten seit Jahren gebührenfreie Sparpläne an. Die etablierten Banken fühlen sich unter Druck und versuchen mitzuhalten.
Die F.A.S. hat die Konditionen einer Auswahl von Anbietern miteinander verglichen. Dazu zählen Neobroker wie Scalable Capital, Trade Republic und Traders Place genauso wie die Direktbank ING, die Commerzbank und S-Broker, das Onlinedepot der Sparkassen. Auf den ersten Blick scheinen die meisten Anbieter exzellente Konditionen anzubieten: ein kostenloses Depot, kaum Ausführungskosten für die Sparpläne und eine Vielzahl an ETF. Doch die Probleme stecken im Detail.
Die Funktionsweise von ETF ist mittlerweile bekannt: Sie bilden ein zugrunde liegendes Aktienbarometer wie beispielsweise den deutschen Dax oder den amerikanischen S&P 500 eins zu eins nach. Wer über einen Sparplan regelmäßig in ETF investiert (das Kürzel steht für „exchange-traded funds“ – börsengehandelte Indexfonds), kann sich so über viele Jahre ein Aktienvermögen aufbauen. Je höher die Gebühren dafür allerdings sind, umso stärker wird dieses Vermögen auf Dauer geschmälert. Womit wir wieder bei den Details wären, die auf lange Sicht eben doch eine gewisse Wirkung entfalten können.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Laut Andreas Jalsovec, Finanzfachmann des Vergleichsportals biallo.de, fallen bei der Ausführung eines ETF-Sparplans zwei Kriterien besonders ins Gewicht: die Depotgebühren und die Ausführungskosten. Trade Republic & Co. genauso wie die ING bieten ein gebührenfreies Depot an. Die Commerzbank und die Sparkassen hingegen knüpfen ein kostenloses Depot an Bedingungen. Dazu gehört unter anderem eine bestimmte Anzahl von sogenannten Trades, also der Kauf oder Verkauf von Wertpapieren je Quartal.
Die Ausführungskosten sind ebenfalls nicht überall kostenlos. Gemeint ist damit in der Regel eine feste Gebühr für den regelmäßigen Kauf der ETF-Anteile. Auch hier fallen die Sparkassen und die Commerzbank aus der Reihe. Besonders die Sparkassen stechen mit 1,25 Prozent Gebühr negativ hervor. Die Gebühren fallen zwar nicht bei allen Sparplänen an und erst ab einer Sparrate von mehr als 500 Euro im Monat. Dann aber machen sie durchaus etwas aus, wie folgende Rechnung zeigt: Wer bei „S-Broker“ über eine Laufzeit von 30 Jahren jeden Monat 501 Euro in einen Sparplan einzahlt, kommt am Ende auf Gebühren von insgesamt knapp 2255 Euro. Arm wird man von dieser Summe über die lange Laufzeit zwar nicht. Aber mit dem Geld hätte man sicher Besseres anstellen können.
Sich nicht täuschen lassen
Nicht täuschen lassen sollten sich Anbieter von der unterschiedlich hohen Anzahl an Sparplänen, mit denen die Anbieter für sich werben. Hierbei gilt nicht, dass der Anbieter mit den meisten Sparplänen automatisch auch der beste ist. Viel wichtiger ist, dass die ETF-Sparpläne kostenlos sind. Womit wir wieder bei den Neobrokern und der ING wären: Sie bieten alle ihre Sparpläne kostenlos an. Die Commerzbank dagegen hat mit ihren 300 ETF-Sparplänen eine vergleichsweise kleine Auswahl, von denen lediglich eine begrenzte Zahl kostenlos ist, abhängig von den jeweils aktuellen Sparplanaktionen.
Warum aber sollte man überhaupt noch teurere Institute wie die Commerzbank oder die Sparkassen auswählen? Den Unterschied mache der Kundenservice, sagt Andreas Jalsovec von biallo.de. In den Filialen von Commerzbank und den Sparkassen gibt es direkte Ansprechpartner. Für Börsenneulinge kann es hilfreich sein zu wissen, dass sie dort nachfragen können.
Allerdings schwindet dieser Vorteil zusehends: Denn auch die Neobroker investieren verstärkt in den Kundenservice. So hat Trade Republic beispielsweise in der vergangenen Woche einen Telefonservice eingeführt. Rund um die Uhr sollen echte Mitarbeiter und eben keine Chatboots nun für alle Fragen erreichbar sein.
Der Konkurrenzkampf zwischen neuen und alten Banken hat also gerade erst begonnen.
