Wiesbaden und der Rheingau sind um eine Attraktion reicher, denn nach seiner gelungenen Premiere soll der „Vinothon – Genussmarathon“ künftig regelmäßig veranstaltet werden. Etwa 1400 Teilnehmer aus 39 Nationen liefen am Samstag bei optimalem Wetter durch den Rheingau und feierten anschließend auf dem Ehrenhof von Schloss Henkell in Wiesbaden eine große Party. Der neue Lauf hat den bekannten „Marathon des Chateaux du Médoc“ bei Bordeaux zum Vorbild und verbindet Sport mit kulinarischem Genuss.
Die Läufer konnten aus drei verschiedenen Distanzen wählen. Gemeinsamer Startpunkt war die Abtei St. Hildegard in Rüdesheim. Von dort liefen die Marathonläufer ihre 42,2 Kilometer lange Strecke und passierten unter anderem Geisenheim, Oestrich-Winkel und Walluf, bevor es bis zum Ziel bei Schloss Henkell ging. Wer die Einsteigerstrecke mit einer Länge von acht Kilometern gewählt hatte, für den stellte Schloss Johannisberg das Ziel dar, und die Teilnehmer des Halbmarathons mit einer Streckenlänge von 21,1 Kilometern erreichten ihr Ziel in Erbach. Siegerin der Marathondistanz war Stephanie Ruland, die die 42,2 Kilometer in drei Stunden und 17 Minuten lief.

Das Einzigartige an allen drei Läufen ist das Panorama des Rheingaus, denn die Teilnehmer passierten mehrere Schlösser und diverse Weingüter, die an den Genussstationen ihre Weine ausschenkten. Dabei waren unter anderem das Weingut Friedel Russler aus Walluf, das Weingut Baron Knyphausen in Eltville und Schloss Vollrads in Oestrich-Winkel. An den Versorgungsstationen gab es die üblichen Erfrischungen, aber auch Wein, Mini-Currywurst und Grüne Soße im Glas. Diesen Verlockungen konnte nicht jeder widerstehen. Beim Stand des Weingutes Molitor soll eine Gruppe Schweizer beschlossen haben, den Lauf zu beenden und dafür den Wein zu genießen.
Anspruchsvolle, aber sehr schöne Laufstrecke
Die Teilnehmer der kürzeren Distanzen feierten am frühen Nachmittag bereits auf dem Ehrenhof, und DJ Hajo Rauschhofer legte House-Musik auf, während die Marathonläufer noch auf der Strecke nach Wiesbaden waren. Wie etwa Dietmar Graner aus Berlin. „Die Strecke ist gut“, sagte der routinierte Marathonläufer an der Servicestation am Schiersteiner Hafen und lobte die Organisation. Graner will nächstes Jahr wiederkommen. Laurina Rehm lief erstmals in ihrem Leben einen Marathon. Sie ist zum Studium nach Wiesbaden gezogen. „Die Strecke war relativ anspruchsvoll, aber trotzdem sehr schön“, lautete ihr Urteil. Auch sie will beim nächsten Mal wieder dabei sein.
Die Chancen dafür stehen gut, denn Kai Walter, Geschäftsführer der veranstaltenden Walter Events & Consulting GmbH, wird gemeinsam mit Mitorganisator Andreas Steinbauer auch 2027 einen Vinothon auf die Beine stellen. „Es läuft richtig gut“, sagte Walter, während er am Ziel auf die ersten Marathonläufer wartete. Steinbauer war mit seiner Vespa an der Strecke unterwegs und begleitete die Läufer. Er geriet anschließend ins Schwärmen: „Es war sensationell, bei traumhaftem Wetter auf einer traumhaften Strecke. Es geht nicht besser.“
Mischung aus Genuss, Sport und regionaler Identität
Auch Bürgermeisterin Christiane Hinninger (Die Grünen) äußerte sich zufrieden: „Das ist ein Superanfang und eine sehr gute Werbung für die Region.“ Der Lauf sei ein gelungener Mix aus Genuss, Sport und regionaler Identität. Sie äußerte die Hoffnung, dass sich der Vinothon zu einem Höhepunkt der Tourismusdestination Wiesbaden-Rheingau entwickelt. Die Stadt unterstützt die Veranstaltung laut Hinninger mit 30.000 Euro und will das auch künftig machen.
Namensgeber und Hauptsponsor ist die Sektkellerei Henkell Freixenet. Andreas Brokemper, Vorsitzender der Geschäftsführung, zeigte sich beeindruckt. „Der Zeitpunkt ist perfekt gewählt, schöner als jetzt kann der Rheingau kaum sein“, sagte er. Es habe am Start zwar kleinere technische Probleme mit der Energieversorgung gegeben, aber die ortsansässige Feuerwehr habe ein Notstromaggregat zur Verfügung gestellt. „Ich wäre wahnsinnig gerne mitgelaufen, habe mir aber leider den Arm gebrochen“, sagte Brokemper. Bordeaux habe gute Weine, führte er mit Blick auf den Médoc-Marathon aus, stellte aber klar: „Wir haben auch gute Weine und die schönere Natur.“ Henkell wird den Vinothon weiter unterstützen, kündigte er an.
Das wird Martin Seimetz aus Mainz freuen, denn er ist die Acht-Kilometer-Strecke gelaufen. „Es war phantastisch, ein toller Ausblick, eine tolle Strecke und ein knackiger Anstieg kurz vor Schloss Johannisberg“, sagte er. Wein habe er nicht getrunken, dafür jedoch alkoholfreien Sekt. Auch Seimetz will nächstes Jahr wieder mitlaufen. Ebenso wie Gabriel Nakata, der aus Brasilien stammt und in Wiesbaden lebt. „Es war super. Die Strecke war am Ende zwar ein bisschen schwierig, aber das war einer der schönsten Läufe, die ich bisher gemacht habe“, sagte der Brasilianer.
