
Bei den landesweiten Kundgebungen zum Tag der Befreiung Italiens vom Faschismus ist es am Samstag in Mailand und Rom zu schweren Zwischenfällen gekommen. In Mailand wurden die Teilnehmer des Marsches zum Domplatz, die sich um die Flagge mit dem Davidstern der Jüdischen Brigade versammelt hatten, von linken und propalästinensischen Aktivisten eingekesselt. Die Aktivisten skandierten nach italienischen Medienberichten „Mörder!“, „Zionisten raus aus dem Marsch!“, „Es lebe Hitler!“ und „Freies Palästina!“.
Einheiten der Bereitschaftspolizei eskortierten die für rund eine Stunde eingekesselten Teilnehmer aus dem Kundgebungsmarsch und brachten sie in einer Seitenstraße in Sicherheit. Dort löste sich die Kundgebung der Jüdischen Brigade auf, während die Aktivisten applaudierten und „Widerstand jetzt und für immer!“ riefen. An der Abschlussveranstaltung auf dem Domplatz konnten die Vertreter und Anhänger der Jüdischen Brigade nicht teilnehmen.
Mindestens zwei Schüsse in Rom
Walker Meghnagi, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Mailand, machte den Partisanenverband ANPI für die Vorfälle mitverantwortlich, weil die Organisatoren des Marsches signalisiert hätten, dass sie keine Juden bei der Kundgebung dabeihaben wollten. Vertreter der ANPI wiesen den Vorwurf zurück und kündigten eine Verleumdungsklage an. Nicolae Galea von der Mailänder Beobachtungsstelle Israel sagte der Nachrichtenagentur Agenzia Nova, die Feiern zum 25. April seien „durch antizionistische Parolen, palästinensische Flaggen und antiisraelische Rufe verfälscht“ worden.
Die rund 5000 Mann umfassende Jüdische Brigade, bestehend aus Juden aus dem britischen Mandatsgebiet Palästina und europäischen Flüchtlingen, hätte in Italien „gegen die Nazifaschisten gekämpft, rund 700 von ihnen starben für unsere Freiheit“, sagte Galea. „Dies zu ignorieren oder durch Feindseligkeit gegenüber Israel zu ersetzen, ist eine Geschichtsfälschung.“
Der ehemalige sozialdemokratische Abgeordnete Emanuele Fiano sagte der Tageszeitung „Corriere della Sera“, man dürfe die Jüdische Brigade, die an der Seite der Partisanen für die Befreiung gekämpft hätte, nicht aus dem Gedenkmarsch ausschließen. „Man kann die Geschichte nicht einfach ignorieren. Man kann einen wichtigen Teil nicht aus der Geschichte des Aufstands gegen den Nazifaschismus ausblenden“, sagte Fiano.
Unterdessen wurden bei der Kundgebung in Rom mindestens zwei Schüsse, offenbar aus einer Luftdruckpistole, auf Demonstrationsteilnehmer der ANPI abgegeben. Wie die Zeitung „La Repubblica“ aufgrund von Aussagen von Augenzeugen berichtete, habe ein Schütze auf einem Moped die Schüsse abgefeuert. Zwei Demonstranten wurden verletzt.
Das ANPI-Provinzkomitee von Rom erklärte nach dem Zwischenfall: „Wie die Partisanen, die sich von Angriffen, Razzien und Vergeltungsmaßnahmen nicht einschüchtern ließen, werden wir unseren Kampf für ihr Andenken und für den Erhalt ihres Erbes fortsetzen: gegen jede Form von Nationalsozialismus, Faschismus und Autoritarismus, für Frieden, Freiheit und Gleichheit.“
