Vor 50 Jahren, im Mai 1976, fand im neu eröffneten Palast der Republik in Ost-Berlin der IX. Parteitag der SED statt. Generalsekretär Erich Honecker verschärfte seine kulturpolitische Linie. Kunst solle dem Sozialismus dienen, künstlerische Freiheit solle nur im Sinne des Staates existieren. Es war ein programmatisches, deutliches Signal: Euer Spielraum, liebe Künstler respektive »Kulturschaffende«, wird ab sofort enger, viel enger. Wir werden lenken, überwachen, wir werden entscheiden.
Wie weit Honecker und seine Genossen dafür gehen würden, zeigte sich im Herbst desselben Jahres. Am 16. November 1976 wurde der Liedermacher Wolf Biermann nach einem Konzert in Köln aus der DDR ausgebürgert. Biermann hatte seit Langem als unliebsamer Störenfried gegolten. 1965, neun Jahre zuvor, hatte man gegen ihn bereits ein Publikations- und Auftrittsverbot verhängt und anschließend fast alles versucht, den Mann und seinen kritischen Geist auf Linie zu bringen. Überwachung, Zersetzungspläne, Erpressungs- und Einschüchterungsversuche, Verbote aller Art. Half nichts. Biermann wollte in der DDR bleiben, mitreden, das System verändern, mehr »rote Demokratie« à la Rosa Luxemburg wagen statt bleierner Engstirnigkeit der Marke Ulbricht und Honecker. Brachte auch nichts.
