
Der Ärger begann an Amerikas Tag der Steuern. Am 15. April müssen alle Amerikaner ihre Steuererklärung abgegeben haben. New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani nutzte den Tag für eine Videobotschaft. Sie zeigt ihn vor dem 70-stöckigen Wohnhochhaus 220 Central Park South, in dem der Gründer des Citadel-Hedgefonds Ken Griffin vier Etagen inklusive Penthouse besitzt: Kaufpreis 238 Millionen Dollar. Mamdani stellte hier seine geplante Sondersteuer für Reiche vor: einen jährlichen Zuschlag auf Häuser und Eigentumswohnungen im Wert von mehr als 5 Millionen Dollar, wenn der Hauptwohnsitz des Eigentümers außerhalb von New York City liegt. „Als ich zur Bürgermeisterwahl antrat, sagte ich, ich werde die Reichen besteuern“, so Mamdani in dem Kurzvideo. Er sei stolz, dass New York das erste Mal in seiner Geschichte eine „pied à terre“-Steuer auf Luxusimmobilien erheben werde, die für den Eigentümer Nebenwohnsitz sind. Mamdani nannte Ken Griffin persönlich und verwies auf das Penthouse. New Yorks Gouverneurin Kathleen Hochul hatte Mamdani in der vergangenen Woche Unterstützung für die Steuer auf Luxuszweitwohnungen gegeben. Sie und die Abgeordneten des Bundesstaates New York müssen die Sondersteuer absegnen.
Legt der attackierte Milliardär sein Großbauprojekt auf Eis?
Nun schlägt Griffin zurück: Sein Unternehmen stellt ein großes Investitionsprojekt in Midtown Manhattan infrage. In einer E-Mail an Citadel-Mitarbeiter brachte Griffins Chief Operating Officer Gerald Beeson die Möglichkeit ins Spiel, ein ambitioniertes Bauprojekt, das 6000 Arbeitsplätze im Baugewerbe und mehr als 15.000 Arbeitsplätze in Midtown New York absichern würde, auf Eis zu legen. „Das Projekt wird — falls wir es vorantreiben — Ausgaben von mehr als 6 Milliarden Dollar umfassen“, schrieb Beeson.
Dass Griffin auf das politische Umfeld empfindlich reagiert, zeigte er 2022, als er den Hauptsitz seines Hedgefonds von Chicago nach Miami/Florida verlegte. Dort hat er selbst seinen Hauptwohnsitz. Florida verlangt keine eigene Einkommensteuer, während der Bundesstaat New York von Millionären eine Einkommensteuer von rund zehn Prozent erhebt, die diese neben der Bundes-Einkommensteuer entrichten müssen. Immobilienbesitzer müssen auch eine Grundsteuer berappen, die sich nach dem Grundstückwert richtet und zu den höchsten im Lande gehört. Wenn die Sondersteuer abwesende Immobilieneigentümer vertreibt, die bisher die Preise für Häuser und Wohnungen hochtrieben, wird das die Bewertungen dämpfen und damit die Einnahmen aus Immobiliensteuern schrumpfen lassen. Auf diesen Umstand weist Reihan Salam hin, der Chef der konservativen Denkfabrik Manhattan-Institut. New York kann sich das Verprellen seiner Millionäre nur schwer leisten, weil sie bisher schon rund 40 Prozent des Steueraufkommens der Stadt beisteuern.
Verachtung für die Wohltäter New Yorks
Griffins operativer Unternehmensgeschäftsführer (COO) Beeson erklärte unterdessen, das Video des Bürgermeisters lege nahe, dass dieser nicht zu schätzen wisse, wie Menschen wie Griffin zum Gemeinwohl beitrügen. „Es ist beschämend, dass er Kens Namen als Beispiel für jene benutzt hat, die angeblich keinen fairen Anteil an den Lasten tragen, die mit New York Citys oft kostspieligen und verschwenderischen Ausgaben verbunden sind“, hieß es in der E-Mail. „Damit hat der Bürgermeister erneut die Ignoranz und Verachtung der politischen Elite gegenüber jenen offenbart, die sich dauerhaft dem Aufbau einer der großartigsten Städte der Welt verpflichtet fühlen.“
Beeson schrieb, in den vergangenen fünf Jahren hätten „die Partner und Teammitglieder von Citadel — einschließlich Nichtansässiger — fast 2,3 Milliarden Dollar an Stadt- und Bundesstaatsteuern“ gezahlt. Außerdem wies er darauf hin, dass Griffin persönlich 650 Millionen Dollar an wohltätigen Spenden zur Unterstützung von New York City gelenkt habe.
Milliardäre warnen: Mamdani schürt den Klassenkampf
Milliardäre springen Griffin bei: Der New Yorker Hedgefonds-Manager Daniel Loeb (Third Point) kommentierte Mamdanis Video auf der Plattform X: „Klassenkampf schüren und einen der größten Arbeitgeber der Stadt mobben, dessen Beschäftigte Milliarden an Steuern zahlen. Unser Theaterkind-Bürgermeister wird gleich ein paar grausame Gesetze der Ökonomie kennenlernen: Man kann eine Stadt nicht in den Wohlstand hinein besteuern, und man zieht kein Kapital an, indem man Philanthropen dämonisiert.“ Der Milliardär Bill Ackman schrieb: „Wir sollten Ken dafür applaudieren, dass er 238 Millionen Dollar in New York City ausgegeben hat, statt ihn dafür anzugreifen.“ Nichtansässige Eigentümer von New Yorker Wohnungen belasteten weder New Yorks Schulen noch städtische Dienstleistungen oder andere Ressourcen. Zugleich förderten sie die Wirtschaft.
Besonders scharf reagierte Clifford Asness, Gründer der legendären quantitativen Investmentgesellschaft AQR Capital Management: Leute, die extrem teure Immobilien kaufen wollten und dann keine städtischen Dienstleistungen nutzen, seien ein Segen, keine Plage. „Tut mir leid, falls das dich und das kaputte Sozialistenhirn deines Kumpels verwirrt“, schoss er in Richtung Hochul und Mamdani: „Und das sind nun unsere Optionen: diese geifernden, blauen Bundesstaaten entsprungenen sozialistischen Trottel – oder Trump. Das ist unsere Welt. Das sind unsere Wahlmöglichkeiten. Gut gemacht, Wählerschaft.“
