
Dass bei Manroland Sheetfed in Offenbach viele Arbeitsplätze verloren gehen würden, war seit Wochen klar. Doch dass der Druckmaschinenhersteller seinen Betrieb komplett einstellt und ein Großteil der 750 Beschäftigten schon Ende Mai gehen muss, übertrifft die schlimmsten Erwartungen. Hatte Geschäftsführer Mirko Kern Anfang März doch noch mitgeteilt, Ziel der „Restrukturierung“ sei ein tragfähiges Geschäftsmodell.
Nur eineinhalb Monate später haben Geschäftsleitung und externe Restrukturierungsexperten dieses Ziel aufgegeben. Es habe sich kein Investor gefunden, der die Produktion in Offenbach fortführen wolle, teilte das Unternehmen mit. Nur für die Wartung der bereits installierten Manroland-Maschinen gebe es Interessenten. So bitter das ist – angesichts der schwierigen Lage der Druckereibranche ist diese Erklärung plausibel. Manroland Sheetfed schreibt schon seit Jahren rote Zahlen.
Niemand kann von der britischen Muttergesellschaft Langley Holdings verlangen, diese Verluste dauerhaft mit Einnahmen aus ihren anderen Beteiligungen auszugleichen. Die „Roländer“, wie sie in Offenbach genannt werden, einfach auf die Straße zu setzen, ist allerdings nicht die feine englische Art – der Betriebsrat, die IG Metall und Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) fordern zu Recht die Einrichtung einer Transfergesellschaft, um die zum Teil seit Jahrzehnten bei dem Druckmaschinenhersteller beschäftigten Facharbeiter für neue Aufgaben zu qualifizieren.
Die IG Metall wirft der britischen Holding und der deutschen Geschäftsführung außerdem Missmanagement vor – schon vor Jahren hätte nach Ansicht der Gewerkschaft die Fabrik in Offenbach modernisiert, hätten neue Geschäftsfelder erschlossen werden müssen. Dahin gehende Vorschläge der Arbeitnehmerseite seien ignoriert worden.
Sicher ist: Der Holding-Vorsitzende Anthony Langley, der Manroland Sheetfed aus der schon vor 15 Jahren insolventen Manroland AG herauskaufte, hat den Niedergang des Unternehmens letztlich nur verzögert. Es wäre falsch, den Druckmaschinenhersteller zum Opfer der Krise zu erklären, die seit einigen Jahren weite Teile der Industrie durchschüttelt. Die Probleme bei Manroland reichen weiter zurück.
Trotzdem ist die Abwicklung des Druckmaschinenherstellers für die Politik eine weitere Mahnung, die Bedingungen für den Industriestandort zu verbessern. Denn wenn sich die Stimmung im produzierenden Gewerbe aufhellte, gäbe es auch wieder mehr Investitionen, Neugründungen und Neueinstellungen – womit die Chancen auch für die „Roländer“ stiegen, eine neue Beschäftigung zu finden.
